Zeiten des Sturms – Sheridan Grant 3 (Nele Neuhaus)

Alles fügt sich an seinen Platz

Durch Zufall war Sheridan Grant in „Straße nach Nirgendwo“ in Rockbridge gelandet und hat dort Dr. Paul Sutton kennen- und lieben gelernt. Nun soll in Kürze die Hochzeit der Beiden stattfinden, bei der Anprobe des Hochzeitskleides gerät Sheridan jedoch in Panik:

Verzweiflung überrollte mich, als mir klar wurde, dass ich in einen Käfig geraten war, einen goldenen zwar, aber ein Käfig blieb ein Käfig.

Nach einer unschönen Begegnung mit Ethan Dubois, dem Zuhälter aus Band 2, und einem daraus resultierenden Krankenhausaufenthalt, fasst sie dann doch den Entschluss, Paul zu verlassen und zu ihrer Familie auf die Willow Creek Farm in Nebraska zurückzukehren.

Nachdem Sheridan im Kreise ihrer Familie nach ein paar Wochen wieder zu sich selbst gefunden hat, ergreift sie mit beiden Händen die Chance, die sich ihr nun endlich bietet und auf die sie so lange gewartet hat: Singer-Songwriterin zu werden.

Sheridan wird ein großer Stern am Musikhimmel – aber wenn man Leichen im Keller hat, muss man damit rechnen, dass irgendjemand sie irgendwann ausgraben und ans Tageslicht zerren wird.

Schafft Sheridan es endlich, mit ihrer Vergangenheit Frieden zu schließen und glücklich zu werden?


Zeiten des Sturms“ ist der 3. Teil der Sheridan-Grant-Trilogie aus der Feder der Autorin Nele Neuhaus. Neben „Sommer der Wahrheit“ und „Straße nach Nirgendwo“ konnte mich auch der letzte Teil der Geschichte um Sheridan Grant wieder begeistern. Ich habe Band 1 und 2 erst vor kurzem gelesen, so dass ich nach ein paar Seiten wieder mitten im Geschehen angekommen war.

Der Schreibstil von Nele Neuhaus ist nach wie vor leicht und flüssig zu lesen und dadurch, dass permanent etwas passiert, wird es auch im 3. Teil – der knapp 500 Seiten umfasst – nicht langweilig

Die Charaktere sind identisch mit den Charakteren aus Band 1 und 2, auf ihrem Werdegang als neuer Stern am Musikhimmel kommen ein paar neue Personen aus der Musik-Szene hinzu. Diese wurden von der Autorin lebensecht ins Geschehen eingefügt. Menschen mit Ecken und Kanten, mit Vorlieben und Abneigungen, Menschen die es gut mit Sheridan meinen und Menschen, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind …. wie im richtigen Leben eben.

Auch in diesem Buch frage ich mich des öfteren, wie Sheridan all das ertragen kann ohne daran zu zerbrechen oder einfach „nur“ zu verzweifeln. Denn es passiert einiges, was in jedem Menschen tiefe Narben zurücklassen würde. Bei Sheridan kann man manchmal den Eindruck bekommen, dass sie alles einfach von sich abschüttelt, nichts geht ihr wirklich nahe. Dem ist sicherlich nicht so – letztendlich aber handelt es sich um eine fiktive Geschichte in der alles möglich ist.

Obwohl Sheridan zwischenzeitlich 21 Jahre alt ist, ist sie teilweise noch genau so naiv wie in den Anfängen ihrer Lebensgeschichte. Sie verliebt sich in einen jungen Mann, den sie auf einer Tankstelle kennenlernt und der ihr mit seinem Ersatzrad aushilft. Es reicht eine kurze Begegnung, ein kurzer Small-Talk und Sheridan brennt hoffnungslos für diesen Typen. Dieses Verhalten zieht sich durch alle 3 Bände und hat sie schon mehr als einmal in Schwierigkeiten gebracht.

Ebenso naiv wie dumm ist sie, als sie eine frühere Bekannte als ihre Managerin einstellt. Sie vertraut ihre Finanzen einen Menschen an, den sie in einem unschönen Teil ihres Lebens kennengelernt hatte, tatsächlich aber nichts über diese Person weiß. Nur, dass sie ihr einmal das Leben gerettet hat.

Manchmal hätte ich Sheridan einfach nur schütteln wollen.

Parallel zu Sheridans Geschichte erfahren wir in diesem Band von Marcus Goldstein. Marcus ist gerade 60 Jahre alt geworden und arbeitet manchmal als Unternehmensberater für Firmen aus der Musik- oder Filmbranche. Gerade wurde er um Hilfe gebeten, die marode Firma CEMC (California Entertainment and Music Corporation) zu retten. Im Zusammenhang mit dieser Rettungsaktion wird er auf Sheridan und ihr Talent aufmerksam und macht ihr ein Angebot, welches sie nicht ausschlagen kann, wenn sie ihren Traum verwirklichen möchte.

Sheridans Ausflug in die Musikbranche wurde sehr glaubhaft dargestellt. Vermutlich spielt es sich genau so ab in diesem Metier. Niemand nimmt auf den Anderen Rücksicht, jeder benutzt ausschließlich seine Ellenbogen und schaut, dass er das größte Stück vom Kuchen bekommt, ohne Rücksicht auf Verluste. Hier hätte das Script durchaus ein wenig gekürzt werden können, denn die Ausführungen waren doch manchmal schon sehr detailliert.

Das Verhältnis zu ihrem Bruder Jordan ist ziemlich frostig in diesem Buch und dafür gibt es auch einen guten Grund.

Im letzten Band kommt nun aber etwas hinzu, worin ich absolut keine Notwendigkeit sehe: Sheridan wird auf einmal als Synästhesistin hingestellt. Jemand, der unter dem neurobiologischen Phänomen der Synästhesie leidet, kann gleichzeitig Farben und Muster sehen, wenn er/sie Stimmen, Geräusche oder Musik hört/hören. Für mich hat das ein klein wenig das Bild von Sheridan zerstört, das ich mir von ihr gemacht hatte. Es erscheint es mir unglaubwürdig, da in den Jahren, in denen ich Sheridan als Leserin auf ihrem Weg begleitet habe, darüber nie auch nur ein Wort gefallen ist. Für den Abschluss der Geschichte hätte es diese Fähigkeit nicht gebraucht.

Alles in allem ist „Zeiten des Sturms“ ein würdiger Abschluss für diese Trilogie. Alle offenen Fragen sind beantwortet und das Ende ist rund. Ein 4. Teil wäre zu viel des Guten, man kann es tatsächlich dabei belassen wie es ist.

Auch hier danke ich erneut der Autorin Nele Neuhaus, dem Ullstein-eBook-Verlag und NetGalley für die Überlassung des Rezensionsexemplares.

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2 Antworten zu Zeiten des Sturms – Sheridan Grant 3 (Nele Neuhaus)

  1. Rosemarie Lerchenmüller schreibt:

    Hallo Babsi,
    als ich das mit der Synestesie gelesen habe (hoffe ich habe das richtig geschrieben), war ich der Meinung, dass es in den Büchern vorher schon einmal erwähnt worden ist. Es ist aber schon so lange her, dass ich diese gelesen habe, dass ich es auch genausogut mit einem anderen Buch verwechselt haben könnte.
    Aber eben deswegen hat mich das auch nicht gestört.

    Gefällt 1 Person

    • Babsi schreibt:

      Hallo Lerchie,
      danke für Deine Info. Sollte es tatsächlich so gewesen sein, dann war es aber wirklich nur am äußersten Rande Thema, denn solche Dinge merke ich mir eigentlich ganz gut. Im letzten Band wird es ja mehrfach thematisiert, deswegen fiel es mir so auf.

      Hatten wir Beide mal eine gemeinsame Leserunde mit Noa C. Walker? Da ging es um eine Frau, die diese Fähigkeit hatte. Ansonsten habe ich zu diesem Thema in einem Roman noch nie etwas gelesen.

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