Straße nach Nirgendwo – Sheridan Grant 2 (Nele Neuhaus)

Fairfield/Nebraska 1996 – Rockbridge/Massachusetts 2000

Nach dem großen Familienstreit am Ende des 1. Bandes „Sommer der Wahrheit“ ist die 17jährige Sheridan Grant auf dem Weg nach New York, um dort ihre Karriere als Sängerin zu starten. Um zu tanken und eine Kleinigkeit zu essen, hält sie auf einer Raststätte. Im TV läuft gerade eine Berichterstattung zu einem Massaker, bei dem 5 Personen getötet und 2 lebensgefährlich verletzt wurden und bevor Sheridan auch nur realisieren kann, dass es sich dabei um ihr Zuhause, die Willow Creek Farm, handelt, wird auch schon ein Interview ihrer Adoptivmutter Rachel Grant eingeblendet, in dem sie Sheridan die Schuld für dieses Massaker gibt und den Hinweis, dass eben diese gesucht wird. Während Sheridan verzweifelt versucht, jemanden telefonisch zu Hause zu erreichen, ruft die Tankstellenpächterin die Polizei. Rachel Grant und die TV-Moderatoren haben gute Arbeit geleistet. Sowohl die Polizei als auch die Menschen, die sich gerade auf der Raststätte befinden, haben über Sheridan schon den Stab gebrochen, weswegen sie nicht gerade gut behandelt wird und in Handschellen zurück nach Fairfield/Nebraska gebracht wird. Da sie sich in einem anderen Bundesland befindet, dauert die Rückführung einige Zeit (vielleicht aber auch, weil sie der Willkür der Polizeibeamten ausgeliefert ist).

Zurück auf der Farm muss sie sich damit auseinandersetzen, dass ihr Bruder Esra 4 Menschen getötet hat, darunter ihren Lieblingsbruder Joe sowie 3 Farmarbeiter. Ihren Vater Vernon und ihren Bruder Hiram hat er lebensgefährlich verletzt, bevor er selbst von einem beherzten Farmarbeiter erschossen wurde. Rachel Grant, ihre Adoptivmutter (die ja eigentlich ihre Tante ist), wurde nach einem Nervenzusammenbruch in ein Sanatorium eingewiesen.

Gott sei Dank werden die Ermittlungen in diesem Mordfall nicht vom ortsansässigen Polizisten Benton durchgeführt, denn der hätte Sheridan sofort und ohne zu zögern in den Knast gesteckt. In diesem Fall ist Detective Lieutenant Jordan Blystone von der Nebraska State Patrol zuständig und der geht ganz unvoreingenommen an die Sache heran. Sheridan ist überrascht, dass er ihre Version der Geschichte glaubt und sie fasst Mut, dass sich doch nochmal alles zum Guten wenden kann. Aber auch oder gerade in Fairfield ist der Samen aufgegangen, den ihre Adoptivmutter Rachel in den letzten Jahren gesät hat und Sheridan schlägt der blanke Hass entgegen. Ihr tägliches Leben gleicht einem Spießrutenlauf, so dass sie am Ende doch wieder einmal ihre Sachen packt um die Farm zu verlassen und an einem anderen Ort ein neues Leben zu beginnen. Unterstützung erhält sie von Detective Lieutenant Jordan Blystone.

Kann sie tatsächlich alles hinter sich lassen um irgendwo neu zu beginnen?


Erfreulicherweise beginnt die Geschichte in „Straße nach Nirgendwo“ zwei Tage nachdem „Sommer der Wahrheit“ endet. Am 23.12.1996 hat Sheridan, nach dem großen Streit, die Willow Creek-Farm verlassen, am 25.12.1996 richtet ihr Bruder Esra das schreckliche Massaker an.

Bei meinem Leseverhalten ist es fast genau so – ich habe am 14. Mai den 1. Teil beendet und rezensiert und jetzt, im Juni, den 2. Teil gelesen, so dass mir die ganze Geschichte noch sehr gut im Gedächtnis ist. Band 1 hat mir ja schon sehr gut gefallen, aber die Geschichte in Band 2 entwickelt ihre ganz eigene Dynamik, so dass ich das Buch tatsächlich so schnell wie möglich gelesen habe.

Sheridan muss auf ihrem Weg über einen erzählten Zeitraum von 4 Jahren sehr viele Kröten schlucken und was ihr passiert ist manchmal schön, manchmal nicht zu ertragen und zwischendurch muss sie, zu ihrem eigenen Schutz, ihren Namen ändern, so dass man sich als Leser fragt, wieso eine so junge Frau an diesen Dingen nicht zerbricht.

Um Geld zu verdienen darf sie nicht wählerisch sein und so arbeitet sie als Mickey Mouse in Disney World, als Zimmrmädchen in einem Hotel oder verdient sich ihr Geld als Bar-Pianistin. Sheridan ist noch immer so naiv wie im 1. Teil ihrer Geschichte und so passiert es auch hier immer wieder, dass sie einen Mann kennenlernt und sich prompt in diesen verliebt – aber nicht jeder dieser Männer meint es gut mit ihr.

Während der ganzen Zeit hält sie lockeren E-Mail-Kontakt mit ihrer Schwägerin Rebecca (der Ehefrau ihres Bruders Malachy), verrät jedoch niemals ihren Standort.

Immer weiter geht ihre Fahrt nach Nirgendwo als in Rockbridge ihr Auto verreckt und ihr Budget es ihr weder erlaubt das Auto reparieren zu lassen, noch eine Unterkunft in einem Motel zu mieten. In dem Moment, in dem es ihr am schlechtesten geht, lernt sie Dr. Paul Sutton kennen. Ist Sutton nun endlich der Mann, bei dem sie sesshaft werden möchte? Die Antwort dazu gibt es in Band 3, der im August 2020 als eBook in Neuauflage erscheint.

Parallel zu Sheridans Geschichte erfährt der Leser auch die Lebensgeschichte von Detective Lieutenant Jordan Blystone. Die Wege von ihm und Sheridan laufen ein paar Wochen nebeneinander, da er ihr Unterkunft gewährt bzw. sie bei seiner Freundin einquartiert hat. Nachdem Sheridan einmal eine Bemerkung über ihre Großeltern gemacht hat, deckt Blyton ein Familiendrama auf, für das Rachel Grant in einem Prozess Rede und Antwort stehen muss.

Mit 39 Jahren erfährt Blyton am Sterbebett seines Vaters, dass sein ganzes Leben eine einzige Lüge ist und er setzt alles daran, seine wahre Herkunft herauszufinden. Unterstützung bekommt er dabei von Nicholas Walker, dem Mann, der sich in „Sommer der Wahrheit“ als Sheridans einzig echter Freund gezeigt hat. Auch in Blytons Leben gibt es einiges aufzuarbeiten; nicht nur seine Herkunft.

Wie auch schon Band 1, lässt sich dieses Buch wirklich flüssig lesen. Es passieren unendlich viele Dinge, als ob das Massaker nicht schon ausgereicht hätte, muss Sheridan jede Menge einstecken. Gerade das macht das Buch aber auch spannend und nicht langweilig, denn 496 Seiten wollen gefüllt werden. Einiges ist ein wenig überzogen und das ein oder andere Detail kann auch hinterfragt werden (z. B. warum eine Vergewaltigung und ein damit zusammenhängender Todesfall nicht mehr psychische Auswirkungen auf Sheridan hat), aber letztendlich handelt es sich um eine fiktive Geschichte die unterhalten soll – und das hat sie bei mir geschafft. Ich konnte mich fast nicht mehr von diesem Buch lösen.

Nun warte ich gespannt auf Teil 3 dieser Reihe, der im August 2020 als neu aufgelegtes eBook im Ullstein eBook-Verlag erscheinen wird.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an die Autorin Nele Neuhaus, den Ullstein eBook-Verlag und NetGalley Deutschland für die Überlassung dieses Buches als Rezensionsexemplar.

 

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6 Antworten zu Straße nach Nirgendwo – Sheridan Grant 2 (Nele Neuhaus)

  1. Gisela Simak schreibt:

    Hallo Babsi

    Normalerweise schreibt Nele Neuhaus immer Krimis, die in ihrer Heimat spielen. Oder? Deine Rezi klingt unheimlich gut. Ich denke, wenn ich wieder Lust auf einen Krimi habe, dann fange ich mit Sommer der Wahrheit an.
    (z. B. warum eine Vergewaltigung und ein damit zusammenhängender Todesfall nicht mehr psychische Auswirkungen auf Sheridan hat),

    Vielleicht weil man bei totalem psychischen Stress erst mal auf Autopilot schaltet. Das klingt wirklich so richtig klasse. Danke für deine Vorstellung.

    Liebe Grüße,
    Gisela

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    • Babsi schreibt:

      Hallo Gisela,
      hier handelt es sich nicht um einen Krimi !!!

      Nele Neuhaus hat früher unter ihrem Mädchennamen Nele Löwenberg auch Jugend- und Pferdebücher sowie Romane geschrieben. Die Bücher werden in diesem Jahr als eBooks neu aufgelegt und erscheinen dann auch endlich unter dem Namen Nele Neuhaus.

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  2. Gisela Simak schreibt:

    Ah, dann mehr ein Familiendrama. Bei Nele Neuhaus denk ich sofort an Krimi. Ich wusste gar nicht, dass sie auch als Nele Löwenberg geschrieben hat. Die Jugendromane schau ich mir dann schon auch mal genauer an.

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    • Babsi schreibt:

      Genau, Familiendrama. Mir gefällt es sehr, die Geschichte hat aber auch einige schlechte Kritiken bekommen. Wahrscheinlich, weil die meisten Leser die Story mit ihren Krimis vergleichen und da schneidet so ein Familiendrama natürlich schlechter ab.

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      • Gisela Simak schreibt:

        Mich interessieren Kritiken nur bedingt. Vor meiner Bloggerzeit habe ich nie Rezensionen gelesen. Und trotzdem habe ich überwiegend Bücher gelesen, die mir gefallen haben. Mir geht es sogar oft so, dass mich Bücher begeistern, die andere schlecht fanden. Ich bilde mir selber meine Meinung. Wenn ich ein Buch noch lesen möchte, lese ich höchstens das Fazit von anderen. Ich will total unvoreingenommen an ein Buch rangehen.

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        • Babsi schreibt:

          Ich lese schon Kritiken – meistens die 3-Sterne oder schlechter 🙂 Die sind in der Regel nämlich immer ehrlich. Außer es handelt sich um einen Satz wie „Das Buch war grottenschlecht“. Ich bilde mir auch gerne meine eigene Meinung und erfahrungsgemäß geht mir so wie Dir, Bücher die über alle Maßen in den Himmel gelobt werden, finde ich grottig und Bücher, die schlechte Kritken bekommen, gefallen mir.

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