Schattwald (Barbara Dribbusch)

Nervenheilanstalt Schattwald 1943

Seit vielen Jahren hat die 46jährige Anne Südhausen keinen Kontakt mehr zu ihrer Großmutter aus Innsbruck. Umso erstaunter ist sie über einen Anruf, der sie darüber in Kenntnis setzt, dass eben diese Großmutter verstorben ist und sie die einzige noch lebende Verwandte ist. Somit ist sie auch dafür zuständig, die Beerdigung zu planen und den Nachlass zu regeln. Anne reist also nach Innsbruck und auf der Suche nach einem Testament findet sie unter dem Bett ihrer Großmutter 13 Schulhefte, bei denen es sich um die Tagebücher von Charlotte handelt. Auf den handschriftlich eng beschriebenen Seiten hielt Charlotte die Zeit fest, in der sie sich selbst in der Nervenheilanstalt Schattwald befand und daraus geht hervor, welche wichtige Rolle sie dort nach kurzer Zeit spielte.

Als 2 der Tagebücher verschwinden, glaubt Anne noch daran, dass die Nachbarin sie sich ohne zu fragen ausgeliehen hat. Dann trifft sie den Gehirnforscher wieder, den sie im Zug nach Innsbruck kennengelernt hatte und langsam kristallisiert sich heraus, dass die Geschehnisse in Schattwald auch heute noch Auswirkungen haben.

Anne wohnt im Haus ihrer Großmutter, ist sie in Gefahr?


Vor wenigen Wochen habe ich einen Roman gelesen, welcher sich mit den Geschehnissen in einer Heil- und Pflegeanstalt zu Zeiten des Nationalsozialismus beschäftigte. Nachdem ich das Buch beendet hatte, fiel mir ein, dass ich noch ein Buch haben müsste, das sich ebenso mit dieser Zeit der Deutschen Geschichte befasst. Mein Stapel ungelesener Bücher ist Gott sei Dank nicht sehr groß und so fand ich „Schattwald“ ziemlich schnell. Leider blieb das Buch dann hinter meinen Erwartungen zurück.

Scheinbar ist „Journalistin bei einer Frauenzeitschrift“ der TOP-Beruf für Protagonistinnen, denn auch die 46jährige Anne geht diesem Beruf nach. Zudem hat sie gerade eine gescheiterte Ehe hinter sich. Für die Geschichte selbst ist das nicht wichtig, nur für den Umstand, dass Anne jeden Mann, den sie im Rahmen dieser Geschichte kennen lernt, als potentiellen Partner beleuchtet.

Die Geschichte spielt auf 2 Zeitebenen: In der Gegenwart und im Jahr 1943, in einem Privatsanatorium in den Alpen. Bücher mit Bezug auf reale Geschehnisse, gerade im Zusammenhang mit der Geschichte Deutschlands, faszinieren mich sehr – aber nicht, weil ich sensationslüstern bin, sondern weil ich diesen dunklen Teil unserer Vergangenheit nicht verstehen kann, egal wie viel ich davon höre/sehe/lese. Es ist für mich unvorstellbar, dass Menschen so mit Menschen umgegangen sind nur, weil sie „anders“ waren. Aber aktuelle Geschehnisse zeigen, dass wir uns heute irgendwie wieder in diese Richtung – in die falsche Richtung – bewegen.

Die Story ist vorhersehbar, das weiß ich aber schon, wenn ich dieses Buch zur Hand nehme. In der Gegenwart erzählt Anne aus ihrer Sicht, in der Vergangenheit lesen wir die Geschehnisse aus Charlottes Tagebüchern, ebenfalls in der Ich-Form.

Anne versucht mehrere Dinge gleichzeitig unter einen Hut zu bringen. Sie organisiert die Beerdigung, sie unterhält sich mit den Nachbarn/Freundinnen ihrer Großmutter, um mehr über Charlotte herauszufinden, trifft sich mit einem Historiker und einem Gehirnforscher, den sie auf ihrer Fahrt nach Innsbruck im Zug kennengelernt hat und sie verbringt Stunden damit, die Tagebücher zu lesen. Bei all dem was sie tut,bleibt sie mir fremd. Anne ist kühl/kalt und ich kann leider mit ihr nichts anfangen.

Charlotte ist nicht besser greifbar für mich, ihre Geschichte interessiert mich aber mehr als die von Anne, deswegen hat sie eher meine Sympathie. Charlotte beschreibt, wie sie ins Sanatorium kam, wie sie dort aufgenommen wurde und das Zusammenleben mit ihrer Zimmernachbarin (die später noch eine wichtige Rolle bekommen wird). Sie erzählt von den schlimmen Dingen, die dort passiert sind, aber Charlotte ist nicht einfach eine Patientin in einer Nervenheilanstalt, sie erhält in einer geheimen Gruppe eine wichtige Aufgabe, wenn nicht die Wichtigste.

Auch in der Vergangenheitserzählung konnte die Autorin mich leider nicht ganz überzeugen, denn das, was damals passiert ist, war in Wirklichkeit an Schrecklichkeit nicht zu überbieten, im Buch fehlte mir jedoch ganz oft diese Dramatik. Für Ärzte und Schwestern war es lebensgefährlich, sich nicht an Anordnungen „von oben“ zu halten, für Patienten war es lebensgefährlich, weil mit ihnen Dinge angestellt wurden, die dem ähneln, was in Versuchslaboren mit Tieren angestellt wird und Menschen die anders waren, wurden damals schlichtweg euthanasiert und beseitigt. Diese Umstände werden im Buch leider nur angerissen, nicht aber wirklich vertieft.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm und flüssig zu lesen und die Erzählung aus der Sicht von Anne und Charlotte bringt den Leser nah an die Personen ran.

Der Schluss der Geschichte enthielt meiner Meinung nach dann wiederum zu viel Drama und Anne hätte auf ihr Bauchgefühl hören sollen. Leider hat sie dieses viel zu oft ignoriert.

Das Buch hat mich für ein paar Stunden unterhalten, aber leider nicht nachhaltig beeindruckt.

[LtaM] Buch mit mehr als 300 Seiten – 2,00 €

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Freitags-Füller #25

Die Idee für den „Freitags-Füller“ habe ich bei Barbara von scrap-impulse gefunden.

freitagsfueller

Barbara gibt Satzteile vor, die man einfach nur mit seinen Worten ergänzen muss.
Die blauen Eintragungen sind jeweils meine Ergänzungen.

1. Heute wird die schon längst fällige Rezension eines Buches geschrieben.

2.  Ich habe am 25.10. einen Termin beim Zahnarzt.

3. Vor meinem Fenster sehe ich die Spitze eines meiner Säulen-Birnbäume, ein paar Blätter vom Wilden Wein und den Himmel mit einigen Wolken .

4. Verletzt werden von Menschen, die einem wichtig sind – das tut weh.

5. Es könnte sein, dass ich heute noch Buchpost erhalte.

6. Der klimaschonende Segeltrip von Greta Thunberg – ist das wow! oder hahaha!?

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf noch gar nichts, ich bin noch planlos :-), morgen habe ich geplant, das PUR-Konzert in Losheim am See zu besuchen und Sonntag möchte ich meinen Sohn in seiner Studentenbude besuchen!

Ich wünsche Dir einen wunderschönen Freitag und ein ebenso schönes Wochenende.

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Mittendrin Mittwoch #90

Mittendrin Mittwoch

Diese Aktion wurde von elizzy91 von READ BOOKS AND FALL IN LOVE erstellt.

Beim „Mittendrin Mittwoch“ geht es um Zeilen aus dem Buch/den Büchern, in denen man gerade drinnensteckt.


Die Tatwaffe: ein gläserner Briefbeschwerer. Das Opfer: ein vermögender Textilfabrikant. Das Motiv: vermutlich klassisch – hatte die Ehefrau des Ermordeten ein Interesse daran, ihn aus dem Weg zu räumen? Thea Engel von der Mordkommission Stuttgart beginnt zu ermitteln. Doch dann nimmt der Fall eine ungeahnte Wendung, als ein weiterer Mord geschieht. Gemeinsam mit ihrem Partner Michael Messmer stößt Thea Engel auf ein Geflecht aus Lügen und Intrigen, das weit in die Vergangenheit zurückreicht – und mehr mit ihr selbst zu tun hat, als ihr bewusst ist …

„Ich bin am Donnerstag, nachdem ich aus Italien gekommen war, bei Wolf vorbeigegangen, um mir Geld von ihm zu holen. Die Haustür stand so einladend offen. Also bin ich gleich zu seinem Arbeitszimmer raufgegangen. Und dort wurde mir schnell klar, dass Wolf nicht in der richtigen Verfassung war, um mir Geld zu geben. Es sah sogar ganz danach aus, als wäre es ihm überhaupt nie mehr möglich.“ Er grinste schief. „Tja, Pech gehabt. Und als ich aus der Tür kam, hat mich zu allem Überfluss auch noch ein Nachbar gesehen und es gleich der Polizei gemeldet. So viel zu Baden-Baden. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.“ 

Seite 135/220 (Angabe meines Readers)
„Die Farbe des Himmels“ – Britt Reissmann & Silvija Hinzmann


L E S E L A U N E 

Ich komme gerade wieder mal nicht weiter im Buch. Immer nur stückweise ……. Und wie schon beim „Saturday sentence“ geschrieben, fehlt mir in letzter Zeit die Spannung in Krimis und Thrillern.

Die Kommissarin Thea Engel hat gerade herausgefunden, dass es zwischen ihr und dem 2. Opfer wohl eine Verbindung gibt. Da die Frau tot ist, kann Thea sie auch nicht mehr fragen, ob das, was sich ihr gerade erschlossen hat, auch tatsächlich wahr ist. Ich bin gespannt, ob sie es auf anderem Wege herausfinden kann.


Was liest Du gerade und wie sehen deine nächsten Zeilen aus?

Namenzug_Blog


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Saturday sentence #53

Saturday sentence ist eine Aktion, die ich bei Lesefee gefunden habe.

Ein kleines Buchspielchen für alle die teilnehmen möchten:

1. Nimm deine aktuelle Lektüre.
2. Gehe auf Seite 158 und zähle bis Satz 10 und teile uns so mit,
wie dein „saturday sentence“ lautet.


Die Tatwaffe: ein gläserner Briefbeschwerer. Das Opfer: ein vermögender Textilfabrikant. Das Motiv: vermutlich klassisch – hatte die Ehefrau des Ermordeten ein Interesse daran, ihn aus dem Weg zu räumen? Thea Engel von der Mordkommission Stuttgart beginnt zu ermitteln. Doch dann nimmt der Fall eine ungeahnte Wendung, als ein weiterer Mord geschieht. Gemeinsam mit ihrem Partner Michael Messmer stößt Thea Engel auf ein Geflecht aus Lügen und Intrigen, das weit in die Vergangenheit zurückreicht – und mehr mit ihr selbst zu tun hat, als ihr bewusst ist …

Ein älteres Ehepaar und ein junger Mann gingen an ihrer Seite.

„Die Farbe des Himmels“
Britt Reissmann & Silvija Hinzmann


~ L E S E L A U N E ~

Mein aktuelles Buch ist von meinem eBook-SuB. Da mein eBook-Reader immer merkwürdige Seitenzahlen angibt, bin ich aktuell auf 95/220 (das Print-Buch hat nur 200 Seiten). Ein Mord ist passiert, Thea und ihr Kollege Messmer machen die übliche Ermittlungsarbeit und irgendwie gibt es noch nicht wirklich eine heiße Spur.

Thea und ihr Kollege sind mir nicht sonderlich sympathisch. Mal schauen, ob sich das noch ändert. Die Geschichte selbst geht voran, aber irgendwie fehlt mir in letzter Zeit in Krimis oder Thrillern die Spannung. Bin ich zu satt oder gibt es keine wirklich fesselnden Bücher mehr, bei denen man nachts nicht schlafen kann, weil man das Buch nicht aus der Hand legen will??


Ich wünsche Euch ein wunderschönes Wochenende!

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Freitags-Füller #24

Oh mein Gott, hier habe ich ja seit 2017 keinen Beitrag mehr erstellt ….. ich möchte jedoch gerne wieder öfter teilnehmen, deswegen heute mein 1. Beitrag seit 2 Jahren …. 


Die Idee für den „Freitags-Füller“ habe ich bei Barbara von scrap-impulse gefunden.

freitagsfueller

Barbara gibt Satzteile vor, die man einfach nur mit seinen Worten ergänzen muss.
Die blauen Eintragungen sind jeweils meine Ergänzungen.

1. Bei diesem Wetter fühle ich mich richtig wohl. Ich mag Sommer und Wärme. 

2. Der Gedanke an die voranschreitende Umweltverschmutzung verursacht mir Unbehagen.

3. Ich habe gehört, dass viele Kinder nicht schwimmen können. Schade, dass Schwimmen heute nicht mehr zum Lehrplan der Schulen gehört

4.  Bei mir hilft nicht viel gegen Mückenstiche.

5. Eiskalte Getränke mag ich nicht .

6.  219 Tage dieses Jahres sind schon wieder vorbei.

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf einen Besuch bei Freunden, morgen habe ich geplant unser Dorffest zu besuchen und Sonntag möchte ich – bei schönem Wetter – mit meiner Hündin zum See!

Ich wünsche Dir einen wunderschönen Freitag und ein ebenso schönes Wochenende.

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Saturday sentence #52

Saturday sentence ist eine Aktion, die ich bei Lesefee gefunden habe.

Ein kleines Buchspielchen für alle die teilnehmen möchten:

1. Nimm deine aktuelle Lektüre.
2. Gehe auf Seite 158 und zähle bis Satz 10 und teile uns so mit,
wie dein „saturday sentence“ lautet.


Am Abend ihrer Hochzeit stürzt sich Evie White von einer Klippe in den Tod. Ihre Leiche wird nie gefunden, doch es gibt Zeugen für den Sturz. Was hat Evie dazu gebracht, ihr Leben so plötzlich zu beenden? Als ihr Bräutigam und ihre beste Freundin versuchen, diesem Rätsel auf den Grund zu gehen, stoßen sie auf dunkle Abgründe im Leben der Verstorbenen. Allmählich beginnen sie zu begreifen, dass sie die wahre Evie nie wirklich kannten – und dass sie die Vergangenheit besser ruhen lassen sollten …

Dann folgt ein anderes Fragment, eine andere Erinnerung, diesmal an den gestrigen Tag und den Grund dafür, dass ich so lange wach gelegen und gegen den Schlaf angekämpft hatte.

„Mein Herz so schwarz“ – Jenny Blackhurst
Position 142/362


~ L E S E L A U N E ~

Leider weiß ich bei diesem Satz noch gar nicht, um was es geht. Ich bin gerade mal auf Seite 35/362 (was Seite 31 bei 401 Buchseiten entspricht).  Aus den vorhergehenden Sätzen zu schließen, hat Rebecca von ihrer Freundin Evelyn geträumt. Ich bin gespannt. Schön wäre es ja, wenn dieses Buch mal wieder richtig spannend wäre.


Ich wünsche Euch ein wunderschönes Wochenende!

Namenzug_Blog


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Unter dem Kauribaum (Rebecca Maly)

Im Jahre des Herrn, 1860

Meriel lebt mit ihren Eltern und ihren 3 Geschwistern in sehr ärmlichen Verhältnissen, in der kleinen Ansiedlung Stonebridge in Wales/Großbritannien. Der wertvollste Besitz ist ihr Kaltblutpferd Paul. Wie in jedem Jahr im Herbst, verlassen Vater Ian und der älteste Sohn Padric auch dieses Mal wieder ihr Zuhause, um sich als Holzfäller zu verdingen, während Meriel mit ihrer Mutter und den beiden kleinsten Geschwistern zu Hause bleibt. Das letzte Gewitter hat die Kornhalme zu Boden gedrückt, wo sie auf dem nassen Boden wahrscheinlich eher faulen als weiter zu reifen und alles in allem sind die Aussichten darauf, ausreichend Lebensmittel für den kommenden Winter zu haben, eher düster. Als Meriel ihre Mutter darauf anspricht, ob es wahr ist, dass sie bald noch ein Geschwisterchen bekommt, antwortet die Mutter mit der Aussage, dass es ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt wäre, ein weiteres Kind zu bekommen und, dass „Frauen Mittel und Wege kennen um …..“. Daraufhin legt Meriel das folgende Versprechen ab:

„Mit Gottes Hilfe, ich werde dafür sorgen, dass wir keinen Hunger haben müssen. Mama, ich schwöre es.“

Da es den Bauern verboten ist auf Pachtland zu jagen – dieses Privileg gehört den reichen Herrschaften der Pächter-Familie Vaughan – muss Meriel sich ziemlich geschickt anstellen, um bei der Kaninchen-Jagd nicht gesehen zu werden. Das gelingt ihr auch eine ganze Weile, bis sie eines Tages auf einen Jungen trifft. Es handelt sich um niemand geringeren als um Trevor Vaughan, den Sohn der Familie, für die Meriel eigentlich nichts als Verachtung übrig hat. Trotz seiner „hohen Herkunft“ freunden sich die Beiden an und jagen gemeinsam, bis Meriel wegen Wilderei gefangen genommen und nach Queensland, Australien, verschifft wird.

Hat Trevor sie verraten?


„Unter dem Kauribaum“ ist der neue historische Roman der Autorin Rebecca Maly, in welchem sie ihre Leser nach Australien führt. Wie auch schon in ihren vorherigen Büchern, sind die Handlungsorte und Charaktere sehr schön angelegt und man kann sich problemlos direkt in die Geschichte fallen lassen.

Die Autorin schafft es gleich im Prolog, dass man sich zu Meriel hingezogen fühlt, befindet sie sich doch in einem Gefängnis in Wales und wird gerade – gemeinsam mit ihren Mitgefangenen – für den Transport nach „Terra Australis, Van Diemen‘s Land“ ausgewählt. Ein Ort, an dem sich seit einiger Zeit das Empire der Verbrecher, Bettler und Diebe entledigt. Wenn sie später ihre Strafe verbüßt hat, gibt es für Meriel (und alle anderen Frauen) jedoch nur zwei Möglichkeiten, das Gefängnis zu verlassen: Entweder sie wird von ihrem Vormund abgeholt oder sie heiratet. Dass Meriel von ihrem Vormund im fernen Australien abgeholt wird ist unwahrscheinlich, also bleibt ihr nur die Heirat mit einem Fremden. Das bedeutet aber auch, dass eine Rückkehr zu ihrer Familie ausgeschlossen ist.

Rebecca Maly beschreibt sehr eindrucksvoll die lange und beschwerliche Überfahrt mit dem Schiff nach Australien und, dass Frauen nicht unbedingt zusammenhalten, auch wenn sie das gleiche Schicksal teilen. Sie beschreibt den harten Arbeitsalltag im australischen Gefängnis und die Zeit bis Meriel und der Viehtreiber Dylan Ayreheart sich treffen und heiraten.

Man darf nicht vergessen, dass Meriel in einem australischen Gefängnis ist … wie lernt man dort einen Mann kennen, den man heiraten möchte? Ganz einfach – ein heiratswilliger Mann klopft an die Pforte des Gefängnisses und sucht sich eine Frau aus – dann wird geheiratet und man verlässt mit seinem neuen Ehemann das Gefängnis, in ein neues und unbekanntes Leben.

Meriel hat es jedoch ganz gut getroffen. Ihr Mann hat ein kleines Häuschen und etwas Land auf der Farm, auf der er als Viehtreiber arbeitet. Dylan ist nett, liebevoll, zuvorkommend, aufmerksam, er trinkt nicht, schlägt seine Frau nicht und mit dem ersten Kind scheint ihr Glück perfekt. Bis …. ja, bis Dylan einen Unfall hat. Anschließend ist nichts mehr, wie es war.

Die Geschichte wird von der Autorin in 2 voneinander getrennten Handlungssträngen erzählt.

Als Leser weiß man, dass Meriel wegen Wilderei verurteilt und deportiert wurde, man weiß aber nicht, wer sie verraten hat. War es tatsächlich Trevor? Echt jetzt? Nein, das glaube ich nicht! Aber wer könnte es sonst gewesen sein? Die Antwort zu dieser Frage gibt es erst ganz zum Schluss, denn Trevor und Meriel treffen sich natürlich irgendwo im Nirgendwo wieder. In diesem Strang erfährt der Leser also rückwirkend – aus Sicht einer Dritten Person – was damals passiert ist bis zum Zeitpunkt der Verhaftung.

Im zweiten Strang begleitet der Leser Meriel im Hier und Jetzt, also quasi vom Zeitpunkt der Verhaftung über ihre Zeit im Gefängnis, ihr Leben als Ehefrau auf der Rinderfarm bis zu ihrem Wiedersehen mit Trevor Vaughan, das viele Jahre später stattfindet. Auch diese Handlungen werden aus Sicht einer Dritten Person beschrieben.

Alle Charaktere wurden von Rebecca Maly liebevoll angelegt und ausgearbeitet. Sie handeln und verhalten sich entsprechend der damaligen Zeit und jeder für sich wächst an seinen Aufgaben, oder resigniert.

Erfreulicherweise wurden in diesem Australien-Roman keine blutigen Kämpfe zwischen weißen Siedlern und Ureinwohnern ausgetragen. Diese Dinge gehören zur unerfreulichen Geschichte Australiens dazu, aber es ist auch angenehm, wenn es nicht thematisiert wird.

Der Schreibstil ist, wie bei Rebecca Maly gewohnt, angenehm und flüssig und ich habe das Buch in kürzester Zeit gelesen. Leider brauche ich in letzter Zeit immer etwas länger, bis ich eine Rezension geschrieben habe. Dafür möchte ich mich beim Verlag und der Autorin entschuldigen, da ich das Buch schon im Juli als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekam.

Wieder mal ein schöner historischer Roman aus der Feder von Rebecca Maly, mit dem man für ein paar Stunden in die australische Wildnis abtauchen kann.

[LtaM] Buch mit mehr als 300 Seiten ~ 2,00 €

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Mittendrin Mittwoch #89

Mittendrin Mittwoch

Diese Aktion wurde von elizzy91 von READ BOOKS AND FALL IN LOVE erstellt.

Beim „Mittendrin Mittwoch“ geht es um Zeilen aus dem Buch/den Büchern, in denen man gerade drinnensteckt.


Als Anne Südhausen nach Innsbruck reist, um den Nachlass ihrer verstorbenen Großmutter Charlotte zu regeln, macht sie eine Entdeckung: Tagebücher aus dem Zweiten Weltkrieg, die von Charlottes Zeit im Nervensanatorium Schattwald erzählen – einem Ort, an dem schreckliche Dinge geschahen, die das Leben der Großmutter für immer veränderten. Auch in der Gegenwart passiert Unerwartetes: Ein außergewöhnlicher Mann tritt in Annes Leben, einige Personen entwickeln plötzlich großes Interesse an den Tagebüchern und Anne gerät immer mehr in Gefahr …

Rattler hatte mich angelogen. Er war aus einem anderen Grund in der Stadt, nicht wegen einer Tagung. In meinem Bauch ballte sich etwas zusammen, eine Mischung aus Zorn, Enttäuschung und Furcht. Warum hatte mich der Mann angeschwindelt? Was machte das für einen Sinn? 

Seite 261/366
Schattwald – Barbara Dribbusch


Dieser Rattler ist ein bekannter Hirnforscher und irgendwie stellen sich bei mir alle Haare.  Ich denke mal, dass er der „außergewöhnliche Mann“ vom Klappentext ist. Der ist Anne ganz sicher nicht zufällig begegnet, er fragt mir zu gezielt nach bestimmten Dingen. Sucht er vielleicht, wie Anne auch, die beiden letzten verschwundenen Tagebücher? Ich bin gespannt ……

L E S E L A U N E 

Tagsüber komme ich gerade nicht zum Lesen und abends im Bett schlafe ich fast sofort ein (worüber ich sehr sehr froh bin, denn ich habe ja immer mal wieder Einschlafstörungen). Also hänge ich noch immer in „Schattwald“. Das Buch hat keine wirkliche Spannung, trotzdem fesselt es mich sehr.


Was liest Du gerade und wie sehen deine nächsten Zeilen aus?

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Saturday sentence #51

Saturday sentence ist eine Aktion, die ich bei Lesefee gefunden habe.

Ein kleines Buchspielchen für alle die teilnehmen möchten:

1. Nimm deine aktuelle Lektüre.
2. Gehe auf Seite 158 und zähle bis Satz 10 und teile uns so mit,
wie dein „saturday sentence“ lautet.


Als Anne Südhausen nach Innsbruck reist, um den Nachlass ihrer verstorbenen Großmutter Charlotte zu regeln, macht sie eine Entdeckung: Tagebücher aus dem Zweiten Weltkrieg, die von Charlottes Zeit im Nervensanatorium Schattwald erzählen – einem Ort, an dem schreckliche Dinge geschahen, die das Leben der Großmutter für immer veränderten. Auch in der Gegenwart passiert Unerwartetes: Ein außergewöhnlicher Mann tritt in Annes Leben, einige Personen entwickeln plötzlich großes Interesse an den Tagebüchern und Anne gerät immer mehr in Gefahr …

Als habe sich Maria Pramstaller einen Schutzraum geschaffen.

Schattwald – Barbara Dribbusch


~ L E S E L A U N E ~

Bei oben zitiertem Satz geht es um die Einrichtung von Maria Pramstallers Wohnung. Maria Pramstaller war die Freundin der verstorbenen Großmutter Charlotte. Gestern hat sie Anne noch ihre Hilfe bei der Erledigung aller anfallenden Dinge wie der Organisation der Beerdigung etc. angeboten und heute wurde ihre Leiche gefunden: Selbstmord!

Meine Leseflaute scheint hoffentlich erst mal bezwungen zu sein. Als ich vor kurzem das Buch „Die Vergessenen“ gelesen habe, fiel mir ein, dass ich zum gleichen Thema noch ein Buch haben muss, welches ich im letzten Jahr bei einer Blogtour gewonnen hatte. Mein SuB ist ja – Gott sei Dank – nicht sehr groß, so dass ich „Schattwald“ dann auch gleich gefunden habe. Es ist bis jetzt nicht sonderlich spannend, aber ich würde gerne wissen, was damals in Schattwald passiert ist, denn auch dort wurden irgendwelche Experimente an Menschen durchgeführt.


Ich wünsche Euch ein wunderschönes Wochenende!

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Find mich da, wo Liebe ist (Anstey Harris)

Leider habe ich niemanden gefunden; dort wo die Liebe ist

Das Leben der 40jährigen Grace hätte anders verlaufen können, wäre sie vor Jahren nicht von der Musikhochschule geflogen. Die Vorkommnisse von damals haben ein tiefes Trauma in ihr ausgelöst. Grace – eigentlich eine hochtalentierte Cellistin – ist seit dieser Zeit nicht mehr in der Lage, vor anderen Menschen zu spielen. Sie lässt sich stattdessen zur Geigenbauerin ausbilden, begibt sich in die Selbständigkeit und widmet sich in ihrem kleinen Laden der Herstellung und der Reparatur von Musikinstrumenten. Unterstützt wird sie dabei von der 17jährigen Nadja, deren Leben gerade auch irgendwie nicht so glatt läuft.

Privat ist Grace seit 9 Jahren mit David verbandelt – die Beiden führen eine Fernbeziehung. David lebt in Frankreich, Grace in England und ihre Treffen finden üblicherweise in Paris statt. Dass David verheiratet und Vater von 2 Kindern ist, stört Grace nicht sonderlich, sonst würde sie das nicht über Jahre hinweg aushalten, trotzdem hofft sie immer wieder, dass David endlich den Arsch in der Hose hat, seine Frau wegen ihr zu verlassen. Dann passiert etwas, dass alles bisher gewesene in Frage stellt und Grace verliert irgendwie ihre Bodenhaftung. Geerdet wird sie durch Nadja, ihren Kunden Mr. Williams und die Tatsache, dass ein von ihr erschaffenes Cello für einen hochdotierten Wettbewerb in Italien angemeldet ist.

Bekommt Grace wieder Boden unter die Füße?


„Find mich da wo Liebe ist“ ist das 1. Buch, das ich von der Autorin Anstey Harris gelesen habe. Das Cover ist wirklich wunderschön und in Zusammenwirken mit dem Klappentext habe ich zu diesem Buch gegriffen, von dem ich mir eine kurzweilige Liebesgeschichte (hoffentlich mit Happy End) versprochen hatte.

Der überwiegende Teil der Geschichte wird von Grace, David, Nadja und Mr. Williams bestritten, erst zum Schluss hin tauchen weitere Protagonisten auf, die jedoch durch die gedanklichen Rückblicke von Grace keine unbekannten Personen sind.

Ich weiß nicht so genau, was ich zu Grace sagen soll. Das, was ihr auf der Musikhochschule passiert ist ist schlimm, keine Frage. Ich habe mich jedoch die ganze Zeit gefragt wie Grace gestrickt sein muss, dass sie durch diese Vorkommnisse ein so schlimmes Trauma mitbekommen hat, dass sie über Jahre hinweg kein Instrument mehr vor fremden Leuten spielen kann ??!! Ich bin kein emotionaler Panzer, ganz sicher nicht, ich bin sogar sehr empathisch, aber hier habe ich nicht wirklich verstanden, was genau für Grace so traumatisierend gewesen sein soll. Bis zum Schluss ist dem Leser auch eigentlich gar nicht wirklich klar, was damals passiert ist. Vielleicht liegt mein Nichtverstehen auch daran, dass ich zu Grace als Person nicht wirklich Zugang gefunden habe. Sie bleibt für mich leider sehr blass und nicht greifbar, in dem was sie tut.

Für ihre Affaire mit David habe ich teilweise Verständnis – sie liebt ihn und sie kann und will nicht von ihm lassen. Gegen Gefühle ist man machtlos, meistens jedenfalls. Trotzdem verstehe ich nicht, wie sie sich immer wieder von David einlullen lässt . Dann erfährt sie Dinge über ihn, die sie zutiefst verletzen, sie verliert kurzfristig die Bodenhaftung, vernichtet fast ihre eigene Existenz und fängt sich dann doch wieder. Ob und wie es mit David weitergeht, verrate ich hier natürlich nicht.

Zu David möchte ich gar nicht viel schreiben. David ist ein Mann, der sich seine Welt so (schön) macht, wie sie ihm gefällt. Ob er dafür betrügen und Wahrheiten verbiegen muss ist egal, Hauptsache seine Bedürfnisse werden gedeckt. Bei allem was er tut, nimmt er angeblich nur Rücksicht auf seine Kinder, mit seiner Frau hat er ein Arrangement getroffen. Ah ja …. wenn man ihn so behandeln würde, wie er andere Menschen behandelt, wäre er tödlich getroffen.

Nadja ist 17 und arbeitet im Laden von Grace. Selbst eine begnadete Geigerin, sucht sie gerade ihren Platz im Leben und hat sich eine Auszeit von der Schule gegönnt. Grace ist nicht ganz ohne Einfluss, aber Nadja muss ihren Weg selbst finden und als sie dann auch noch herausfindet, dass Grace ihr Vertrauen missbraucht hat, zieht sie sich zuerst einmal zurück um dann zu merken, dass es ohne Grace auch nicht geht. Auch Nadja ist jetzt nicht die Protagonistin, die mir lange im Gedächtnis bleiben wird.

Mr. Williams ist nicht von Anfang an präsent, er wird nur hin und wieder mal als Kunde erwähnt, zum Schluss hin nimmt er dann aber doch eine wichtige Rolle ein und durch seine ruhige und besonnene Art, hilft er Grace aus der Krise. Mit 86 Jahren erfüllt er sich dann auch endlich seinen eigenen Traum.

Die Autorin hat einen schönen Schreibstil, das Buch lässt sich gut und flüssig lesen. Zwischendurch lässt sie immer mal wieder Erklärungen zum Geigenbau einfließen, was für meinen Geschmack an manchen Stellen deutlich zu ausufernd war und den Lesefluss dann schon sehr gestört hat. Die Geschichte wird aus der Sicht von Grace erzählt, mal in der Gegenwart, mal in der Vergangenheit – der Wechsel der Zeiten war leider nicht immer ganz einfach zu erkennen, was ab und an zu Verwirrung geführt hat.

Der Schluss war vorhersehbar (was ja per se nichts schlimmes ist), aber das künstlerische Event bzw. wie es dazu kam, fand ich dann doch ein wenig „tooo much“.

Alles in allem ist „Find mich da wo Liebe ist“ ein nettes Buch, für mich hätte es jedoch mehr Tiefgang haben dürfen. Geschichten mit „Frau liebt verheirateten Mann“ habe ich schon 100 x gelesen und es bedarf zwischenzeitlich ein wenig mehr, dass mich ein Buch begeistert.

Herzlichen Dank an NetGalley, den Ullstein-Buchverlag und natürlich die Autorin Anstey Harris für die Überlassung des Leseexemplars!

[LtaM] Buch mit mehr als 300 Seiten – 2,00 €

Veröffentlicht unter Rezension, Rezensionsexemplar, Roman, Ullstein-Taschenbuchverlag | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen