Influence – Fehler im System (Christian Linker)


Was passiert, wenn das Internet ausfällt?

Heute ist Amirs großer Tag. Der Tag, auf den er sich seit Wochen vorbereitet hat. Sein halbes Leben lang hat er davon geträumt, ein Mal etwas wichtiges zu tun. Gemeinsam mit dem Instagram-Influencer Habakuk soll ein Internet-Leak (eine undichte Stelle) öffentlich gemacht werden. Es geht um eine Firma, die gigantische Mengen an Metadaten sammelt und diese an eine ausländische Stiftung verkauft, um in Deutschland die öffentliche Meinung – bis hin zur Manipulation von Wahlen – zu beeinflussen.

Ausgerechnet heute, an diesem großen Tag, bricht das Internet vollkommen zusammen.

Auch ohne Google-Maps schafft Amir es letztendlich, den Treffpunkt in Köln zu finden, dort trifft er jedoch nicht auf Habakuk sondern auf Kalliope, die ebenfalls eine sehr bekannte Instagram-Influencerin ist. Bevor die Beiden klären können, warum Kalliope und nicht Habakuk am Treffpunkt erschienen ist, rast ein Auto auf sie zu, die Absicht ist eindeutig, die Frage ist jedoch: Galt dieser Anschlag Kalliope oder sollte es Amir treffen? Hat der Komplettausfall des Internets und der versuchte Anschlag etwas mit dem Datenchip zu tun, der sich in Amirs Besitz befindet?

Eine Antwort auf diese Fragen wird vermutlich nur die Person haben, die die Informationen für den Leak gesammelt hat. Also machen Kalliope und Amir sich auf den Weg in die Eifel, um einen Mann namens Manfred zu finden.


Mit seinem Thriller „Influence – Fehler im System“ hat der Autor Christian Linker ein sehr brisantes Thema aufgegriffen: Was passiert, wenn das Internet ausfällt?

Abgesehen davon, dass es dann die ganzen Social Media-Kanäle wie Facebook, Instagram, YouTube etc. nicht mehr geben würde, wären die Auswirkungen auf unsere Wirtschaft fatal. Die weltweite Vernetzung untereinander funktioniert fast ausschließlich über das Internet und selbst Maschinen werden von extern gesteuert. Die volle Funktionalität des Internet ist also unabdingbar.

Wenn ich da nur an meinen eigenen Bereich denke, dann könnte ich ohne Internet nicht mehr telefonieren, das Bestellwesen unserer Firma bei den Großhändlern läuft ausschließlich online, unseren Terminkalender synchronisieren sich über das Internet, das Terminal für die bargeldlose Zahlungsübermittlung würde nicht mehr funktionieren ….und wohl dem, der noch eine Satellitenschüssel am Haus hat. Wir sind vollkommen abhängig von der Funktionsfähigkeit des Internet.

Der Autor bedient sich einer Sprache, die für die „Generation Internet“ angemessen ist (meine Mutter würde ein Buch mit dieser Thematik gar nicht lesen wollen).

„Irgendwie war es Hirnwichserei,
über solche Sachen zu schreiben“…..

Der Schreibstil selbst ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, ich habe mich aber schnell hineingefunden, dann lässt das Buch sich flüssig lesen. Auch die technischen Dinge waren (für mich) verständlich beschrieben. Allerdings hat mich die Story selbst leider nicht abgeholt.

Amir empfinde ich als sympathisch, Kalliope kann mich mit ihrem überzogenen Gehabe überhaupt nicht berühren, weswegen ich die Fahrt bis in die Eifel zwar mitgemacht habe, aber eher so als distanzierter Beobachter, nicht als ich-bin-mittendrin-im-Geschehen-Leser. Keine Szene, die die Beiden erleben, hat mich emotional wirklich berührt, leider.

Ich empfinde vieles, was im Laufe der Geschichte passiert, als überzogen. Wobei, wenn ich gerade aktuell sehe, dass im Corona-Zeitalter die Menschen binnen 2 Tagen sämtliches Mehl und Toilettenpapier aus den Geschäften hamstern, Desinfektionsmittel aus Krankenhäusern stehlen, dann kann es tatsächlich so sein, dass sich innerhalb kürzester Zeit nach dem Ausfall des Internet Bürgerwehren formieren, Tankstellen kein Benzin mehr haben, der komplette Lebensmittelsektor zusammenbricht und Krankenhäuser so überfüllt sind, dass die Verletzten auf der Straße behandelt werden müssen.

In „Influence – Fehler im System“ bricht das komplette System jedoch schon innerhalb weniger Stunden zusammen. Ich weiß nicht …..

Warum Kalliope am Treffpunkt erscheint und nicht Habakuk, geht aus der Geschichte ziemlich schnell hervor und nach dem Anschlag vor dem Kinoeingang geht es auch gleich rasant weiter. Die Beiden werden verfolgt, gekidnappt, gefesselt und bedroht und auch bei Manfred in der Eifel angekommen, ist die wilde Jagd nicht zu Ende.

Macht die ganze Aktion aber überhaupt noch Sinn? Wie kann man einen Leak über das Internet verbreiten, wenn selbiges ausgefallen ist? Alle Daten auf dem Speicherchip sind doch nun eigentlich wertlos, oder?

Das Buch ist im Genre „Thriller“ eingeordnet, der erwartete Thrill blieb – bei mir auf jeden Fall – jedoch aus. Auch die Auflösung, warum das Internet offline ist, kann der Geschichte keine wirkliche Wendung mehr geben.

Für mich persönlich dürfte es gerne weniger Internet geben, denn dann würde man sich mal wieder auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben konzentrieren. Weniger WhatsApp, weniger Facebook, weniger Interaktion mit Menschen, die man virtuell als „Freunde“ bezeichnet, diese aber in Wirklichkeit noch nie gesehen hat – dafür etwas mehr Zwischenmenschlichkeit mit den Personen im direkten Umfeld. Es hilft uns nicht, Kontakt mit Menschen auf der anderen Seite der Erde zu haben, wenn die Menschen direkt neben uns emotional verhungern, weil wir ständig danach streben online zu sein.

Influence – Fehler im System“ zeigt uns auf, dass wir uns nicht allzu abhängig vom Internet machen sollten; wobei wir abhängig gemacht werden, ohne unser Zutun.

Bei dieser Rezension handelt es sich um meine Meinung; Dir kann das Buch ja durchaus besser gefallen.

Ich bedanke mich herzlich beim Christian Linker, der bold/dtv-Verlagsgesellschaft und der Plattform Lovelybooks,  auf welcher ich das Buch gewonnen habe.

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