Ein Morgen wie Jasmin (Marie Enters)

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 2064.0 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 122 Seiten
Verlag: neobooks (18. September 2017)
Sprache: Deutsch
Preis eBook: 4,99 €

Klappentext:

al-Yasimin
… Jasmin, die betörend duftende Blume von Damaskus …

Einst sagte er, sie sei sein Mond – für immer. Doch es kann nicht so weitergehen wie bisher, das ist Melih und Marie nach einem Jahr der Heimlichkeiten klar. Melih sieht als Muslim für sich nur eine Lösung: Sie müssen heiraten. Marie ist realistisch, sie weiß, dass diese Ehe bestenfalls ein kurzes spätes Glück mit Melih bedeuten würde. Soll sie dafür wirklich ihr bisheriges Leben und ihre Familie aufgeben?
 

Letztes Jahr im Juni durfte ich das Buch „Für immer sein Mond“ der Autorin Marie Enters lesen. Es handelt von der Beziehung zwischen Marie (53) und Melih (33), einem syrischen Flüchtling, der 2015 nach Deutschland gekommen ist.

Achtung, diese Rezension enthält Spoiler zur Handlung des 1. Buches!!

Die Beziehung zwischen Marie und Melih ist wirklich keine einfache Sache. Beide lieben den jeweils Anderen aber da sind eine Menge Dinge, die die Geschichte kompliziert machen. Da ist zum einen die Religion von Melih aber zum anderen auch die Tatsache, dass Marie mit Jan liiert ist (auch wenn das mehr schlecht als recht läuft zwischen den Beiden), dass es aus dieser Verbindung mit Jan eine Tochter gibt und erschwerend für die Gesamtsituation, dass keiner von ihnen finanziell abgesichert ist. Es fällt jedoch immer schwerer, ihre Beziehung nach außen hin geheim zu halten – Jan scheint irgend etwas zu wittern und Melihs Cousin Bassam hat auch Verdacht geschöpft. So kommen sie zu einen Punkt, an dem Marie die Reißleine zieht.

„Ich versuchte, meine Reaktion zu erklären und schrieb ihm, wir könnten locker bei Facebook in Kontakt bleiben, aber ich wolle nicht mehr so viel chatten und ihn vorerst nicht wiedersehen.“

Auch wenn es Marie innerlich zerreißt, so bleibt sie standhaft und trifft sich eine ganze Weile nicht mit Melih. Dann benötigt sie jedoch eine Unterschrift und ein Treffen ist unumgänglich. Sie verabreden sich auf neutralem Boden, in einem Café – und Marie merkt, dass ihre selbst auferlegte Trennung nichts an ihren Gefühlen für Melih geändert hat. In Melih sieht es wohl ähnlich aus, denn

„In ernstem Ton wiederholte er, was er schon einmal gesagt und geschrieben hatte: „Ich liebe Dich. Und du liebst mich. Wir können heiraten. Das wäre für mich das Beste und für dich auch.“

Was ich als arabisches Palaver gehalten hatte, nett gemeint zwar, aber einfach nur dahergesagt, meinte er aufrichtig – jedenfalls in diesem Augenblick.

Das erste Kapitel in „Ein Morgen wie Jasmin“ beschreibt einen Tag im Hier und Heute und ein Satz darin hat mich stutzen lassen, verstehen konnte ich ihn zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht. Im folgenden Kapitel „Status Quo“ erfährt der Leser dann, dass seit dem Ende von „Für immer sein Mond“ und dem Beginn von „Ein Morgen wie Jasmin“ 3 Monate vergangen sind. 3 Monate, in denen sich Marie und Melih zwar getroffen haben, das Thema Heirat aber von beiden totgeschwiegen wird.

„Auf der Rückfahrt im Zug ruhte mein Kopf an seinem und er hielt meine Hand. Ich atmete seine Nähe ein und wahrscheinlich dachten wir in verschiedenen Sprachen dasselbe: Wie soll es nur mit uns weitergehen?“

Marie erzählt von ihrem Leben und der Beziehung mit Jan, wie dort der aktuelle Stand der Dinge ist und wie es bei Melih zwischenzeitlich beruflich läuft. Sie lässt mich teilhaben an ihrem Alltag und an den Kleinigkeiten des täglichen Lebens. Im Vordergrund steht aber zu jeder Zeit die unbeantwortete Frage, ob aus Melih und ihr ein Ehepaar werden kann/soll/darf. Die Zerrissenheit von Marie wird fast greifbar und die Tatsache, dass sie das Thema immer weiter vor sich herschiebt, macht die Entscheidung nicht einfacher. Irgendwann setzt Melih ihr eine Frist – bis zum Ende des Ramadan sollte sie sich entschieden haben. Doch auch diese 4 Wochen vergehen und Marie hat noch immer keine abschließende Entscheidung getroffen.

Es sind so viele Faktoren, die in die Entscheidung einfließen müssen – Jan und Charlotte, Melihs Familie und Religion, was wäre wenn und wie finanzieren sie ihr Leben .….. und nicht zu vergessen, zwischen den Beiden besteht ein Altersunterschied von 20 Jahren. Maries Gedanken kreisen und kreisen und alles in ihr sagt ihr, dass diese Ehe unter keinen guten Stern stehen würde. Trotzdem kann sie sich nicht endgültig für ein „Nein“ entscheiden, denn schließlich liebt sie Melih von ganzem Herzen.

Und während Marie noch in ihrer Unentschlossenheit verharrt, wird ihr die Entscheidung aus der Hand genommen……………..

Wie auch schon im 1. Teil erzählt Marie Enters die Geschichte von Marie und Melih in einem schlichten und erzählerischen Stil, man kann sich als Leser voll und ganz auf das Geschehen konzentrieren. Und genau wie in „Für immer sein Mond“ nimmt mich die Geschichte emotional wieder sehr mit. Viele der Gefühle, die Marie beschreibt, kann ich sehr gut nachvollziehen. In meinem Leben gibt es auch einen Syrer – ich habe jedoch keinen Partner, sondern einen Sohn gefunden. Und manchmal ist es gar nicht so einfach, wenn 2 total unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen – kommen dann noch Gefühle ins Spiel, wird es richtig kompliziert.

Ich wünsche der echten Marie und dem echten Melih für ihren weiteren Lebensweg alles Gute. Bei Melih stand gerade ein Vorstellungsgespräch an – ich hoffe, er hat die Stelle bekommen.

Das Buch, das einen Umfang von 122 Seiten hat, ist neben der Widmung, dem Schlusswort und einer Playlist in 62 kurze Kapitel eingeteilt. Marie Enters wechselt zwischen Text-Kapiteln, die die Geschichte von Marie und Melih weiter erzählen, und Gedichten/Textzeilen – wie auch schon im 1. Buch – z. B. von Nizar Qabbani, einem syrischen Dichter und Diplomaten (1923 – 1998) oder auch zur Inspiration herbeigezogenen Liedtexten.

An dieser Stelle möchte ich auch gerne einmal meinen Dank zum Ausdruck bringen, dass ich durch Dich, liebe Marie Enters, auf Nizar Qabbani aufmerksam geworden bin. Mein Facebook-Profilbild enthält einen Spruch des syrischen Dichters und ich habe einige schöne Zitate aus seiner Feder gefunden. Üblicherweise handeln seine Verse von der Liebe, aber das nachfolgende Zitat zaubert mir immer ein Lächeln ins Gesicht

„Kill him, then hug him.
Men are more faithful, when dead“

Töte ihn und dann umarme ihn.
Männer sind treuer, wenn sie tot sind

~ Nizar Qabbani ~

Noch einmal – vielen vielen Dank für die Überlassung Deiner Bücher, liebe Marie. Auch Dir wünsche ich für die Zukunft Alles Gute!

مع السلامة

[LtaM] Buch bis 300 Seiten – 1,00 €

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2 Antworten zu Ein Morgen wie Jasmin (Marie Enters)

  1. Marie schreibt:

    Liebe Barbara,
    habe dir eben schon eine E-Mail geschickt, aber auch noch mal auf diesem Weg: Danke für deine wunderbare, wertschätzende, ausführliche Rezension – dass sich jemand diese Mühe macht, ist absolut nicht selbstverständlich. Ich schicke eine virtuelle Umärmelung und wünsche dir noch viel guten Lesestoff in diesem Jahr – deine LtaM-Aktion ist auch einfach klasse!
    Alles Liebe, Marie

    Gefällt 1 Person

    • Babsi schreibt:

      Vielen herzlichen Dank für Deinen Besuch auf meinem Blog und Deinen Kommentar zu meiner Rezension. Ich freue mich sehr, dass sie Dir gefällt. Ich sende Dir eine Umärmelung zurück und vielleicht liest man sich ja mal wieder.

      LG Babsi

      Gefällt mir

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