Für immer sein Mond (Marie Enters)

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 610 KG
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 105 Seiten
Verlag: neobooks (31. Mai 2017)
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à.r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN: B071KVW6PN

Klappentext:

„Mein Mond“ يا قمر – ein zärtlicher Kosename in der arabischen Welt …

Um ihre Gedanken zu sortieren, vor allem aber, um die Erinnerung unauslöschlich zu bewahren, beginnt Marie damit, die Ereignisse eines Jahres aufzuschreiben. Zwischen Rückblicken und Tagebuchnotizen wechselnd erzählt sie ihre und Melihs Geschichte – die Geschichte der außergewöhnlichen Beziehung zwischen einer deutschen Frau und einem bedeutend jüngeren syrischen Mann. Sie handelt von Vertrauen, Freundschaft und Liebe, Lüge und Verrat – und von zwei Fluchten.

يا قمر ya qamar – mein Mond

Mitte Mai bekam ich eine E-Mail in mein Postfach, in der eine Autorin bei mir anfragte, ob ich Interesse habe Ihr neuestes Buch (Erscheinungstermin 31.05.2017) zu lesen. Schon das Anschreiben gefiel mir sehr, denn es war keine Massenanfrage, wie man sie gerne mal von diversen Autoren in seinem Postfach findet, nein – es war eine Anfrage, die gezielt an mich gerichtet war. Der Grund für diese Zielgerichtetheit war auch nicht unbedingt mein Leseverhalten oder ein bestimmtes Genre, aus dem ich Bücher bevorzuge, sondern mein Alter (40 +) und meine Offenheit gegenüber Menschen anderer Kulturen, hier insbesondere syrischen Flüchtlingen. Wer meinen Blog liest, der weiß, dass ich die „Flüchtlingspaten Syrien“ finanziell unterstütze und seit einigen Monaten gehört ein junger Syrer zu meiner Familie – durch einen Krieg, in dem viele Mütter ihre Söhne verlieren, habe ich einen Sohn bekommen. Für mich ist er nicht nicht يا قمرya qamar“ sondern حياتيhayati“ – „mein Leben“.

Die Leseprobe musste ich gar nicht bis zum Ende durchblättern um zu wissen, dass ich dieses Buch gerne lesen möchte – vielen vielen Dank, liebe Marie Enters, für die Überlassung des eBooks.

Die Autorin, die für dieses Buch ein geschlossenes Pseudonym gewählt hat, schreibt normalerweise Bücher in einem ganz anderen Genre und dies ist ihr erstes Buch unter dem Namen „Marie Enters“. Wie man der Amazon-Beschreibung entnehmen kann, ist eine Fortsetzung des Buches geplant, worüber ich mich sehr freuen würde.

In ihrem Buch „Für immer sein Mond“ beschreibt die Autorin die Geschichte von Marie, einer deutschen Frau, und Melih, einem syrischen Flüchtling, die beginnt wie viele Geschichten im Jahr 2015 begonnen haben und dann eine Wendung nimmt, die für keinen der Beteiligten gut ist, obwohl es sich vorübergehend gut anfühlt.

Damit sie nicht vergisst, was genau geschehen ist, hat Marie dieses ganze Jahr dokumentiert.

Marie und Melih lernten sich im September 2015 kennen. Melih (33) war einer der vielen syrischen Flüchtlinge, die im September 2015 mit Bussen nach Deutschland kamen und Marie (53) war eine der vielen ehrenamtlichen Helferinnen, die sich bereit erklärten, den geflüchteten Menschen schnellstmöglichst dabei zu helfen, die deutsche Sprache zu erlernen.

Kurz nachdem der Deutschkurs jedoch begonnen hatte, endete er auch schon wieder, da die Asylbewerber zur Registrierung abgeholt und anschließend auf die Kommunen umverteilt wurden – nur Melih und sein Freund Arif durften bleiben. Von der Ausländerbehörde in eine kleine Wohnung einquartiert, deren beengte Verhältnisse unzumutbar waren, bitten Melih und Arif Marie um Hilfe bei der Wohnungssuche. Sie hilft dann aber nicht nur bei der Wohnungssuche, sondern auch bei Behördengängen, beim Einkauf und allen Dingen des täglichen Lebens und verbringt viele Stunden mit Melih. Hinzu kommt, dass ihr Lebensgefährte Jan, mit dem es schon eine ganze Weile nicht mehr so richtig rund läuft, nicht damit einverstanden ist, dass Marie sich mit fremden Leuten trifft – schon gar nicht in der eigenen Wohnung. Getrieben von dieser Ablehnung trifft sich Marie immer öfter heimlich mit Melih, zum Kaffee trinken, zum Einkaufen, aber auch in dessen Wohnung.

Ihr bislang unbefangener Umgang miteinander erfährt dann jäh eine Wendung, als Melih eines Tages die folgende Frage stellt:

„Ich möchte dir einen Kuss geben. Auf die Stirn. Ist das in Ordnung, ja oder nein?“ fragte er und machte mich damit einen Augenblick lang völlig sprachlos. Nach kurzem Zögern sagte ich „Nein“ und ließ das Thema damit auf sich beruhen. Wir beschäftigten uns wieder mit seinem Papierkram, aber ich war innerlich aufgewühlt. Was war das für eine seltsame Frage eines muslimisch arabischen Mannes gewesen?

Maries seelisches und emotionales Gleichgewicht gerät ins Wanken und so ist es nicht schlecht, dass Melih in den nächsten Wochen eher weniger Zeit haben wird, da er an einer Praktikumsmaßnahme teilnehmen wird.

„Die Schockstarre in meinem Hirn wich endlich, ich fühlte mich von ihm eindeutig zu stark bedrängt. Ich brauchte Abstand, wollte nicht etwas tun, was wir beide später bereuten – etwas, das unsere Freundschaft für immer verändern, vielleicht sogar unmöglich machen würde. Ich musste nachdenken, unbedingt ……….. „

Wie es weiter geht zwischen Marie und Melih, das verrate ich hier natürlich nicht.

Mit 105 Seiten ist die Geschichte von Marie und Melih nicht sehr umfangreich, aber emotional sehr dicht geschrieben. Die Autorin wählt für diese Geschichte einen schlichten, erzählerischen Stil aber trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, berührt es mich sehr, was sie zu Papier gebracht hat. Das Buch besteht aus 2 Teilen. Teil 1 besteht aus 30 Kapiteln, Teil 2 aus 19. Jedes neue Kapitel wird mit einem Gedicht eingeleitet – einige davon stammen aus der Feder von Nizar Qabbani, einem syrischen Dichter und Diplomaten (1923 – 1998).

Viele von Maries Aussagen erinnern mich an mich selbst und daran, wie es bei mir 2015 angefangen hat. Auf manche Geschehnisse bekommt man keine Antwort … ist es Schicksal oder Zufall?

„Warum wollte ich den Geflüchteten helfen, warum das Interesse? Ich war doch nie besonders couragiert, habe mich niemals zuvor ehrenamtlich betätigt. Im Rückblick kommt es mir so vor, als hätten da eine Menge Puzzleteile auf wundersame Weise zusammengepasst“.

„Es geschah unaufhaltsam, dass Melih zum Mittelpunkt meines Denkens und Tuns wurde, mein bester Freund, mein Vertrauter – als hätte ich nur auf ihn gewartet.“

„Ich war mir sicher, nichts zu vermissen, bis ich merkte, wie gut mir der Austausch mit Melih tat.“

Das Ende des Buches ist zwar in sich abgeschlossen, es lässt aber durchaus Raum für eine Fortsetzung.

Vielen Dank, dass ich die Geschichte von Marie und Melih lesen durfte!

Buch bis 300 Seiten: 1,00 €

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2 Antworten zu Für immer sein Mond (Marie Enters)

  1. Marie schreibt:

    Liebe Barbara,
    du bist die erste, der ich die Geschichte von Melih und Marie zur Rezension anvertraut habe, und ich war so gespannt auf dein Urteil. Wenn man ein Buch im Selfpublishing auf den Weg bringt, ist das ganz anders als das Veröffentlichen im geschützen Raum eines Verlags. Und dann noch solch ein spezielles Thema, ein Buch, nicht mit Blick auf Verkaufserfolge geschrieben, sondern einzig aus dem Grund, dass diese Geschichte aus meinem nächsten Umfeld mich persönlich so bewegt hat. Es war mir ein Herzensbedürfnis, sie anonymisiert zu erzählen. Ich danke dir sehr für die Zeit, die du dir zum Lesen und Rezensieren genommen hast, und ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich ich bin, dass mein Buch dir gefallen hat. Denn ich weiß, dass dies keine beliebige Gefälligkeitsrezension ist, und genau darum weiß ich sie umso mehr zu schätzen. Shukran, danke – und viele Grüße an den deutschen und syrischen Teil deiner Familie!
    M wie Marie

    Gefällt 1 Person

    • JanaBabsi schreibt:

      Vielen Dank, liebe Marie, für Deinen Besuch auf meinem Blog und Deinen Kommentar. Dass ich die erste bin/war, der Du Dein Buch anvertraut hast, ehrt mich sehr und rührt mich zu Tränen.

      Viele Grüße zurück und Afuan, bitte!
      Babsi

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