Guilty – Zeit der Vergeltung (Marion Krafzik)

Freund oder Feind?

Emilia Gustafsson ist Staatsanwältin am Gericht in Stockholm und hat dort gerade erfolgreich einen Fall abgeschlossen. Auch wenn ihr die Verurteilte die Pest an den Hals gewünscht hat, feiert Emilia diesen Erfolg gemeinsam mit ihrem Mann Nicolas und ihrer mütterlichen Freundin Alma Nielsson, die genau wie Emilia Richterin, aber auch eine langjährige Freundin und Vertraute ihres Vaters ist. Emilias Mutter ist vor 10 Jahren ums Leben gekommen.

Emilias große Liebe, Nicolas Ferber, arbeitet als Immobilienmakler und die Beiden sind seit einem Jahr verheiratet. Er ist gerade dabei den Verkauf einer Immobilie vorzubereiten, was sich als nicht so ganz einfach gestaltet, weswegen Emilia es als Stress auslegt, dass er eines Morgens bei einer sexuellen Annäherung übergriffig wird. Trotzdem macht ihr dieser Vorfall Angst, so kannte sie ihren Mann bisher nicht.

Über den Zeitraum von wenigen Wochen passieren ein paar Dinge, die man nicht mehr als Zufall abtun kann und im gleichen Zeitraum verändert sich Nicolas auch in seinem Verhalten ihr gegenüber.

Am 10. Todestag seiner Frau, schießt ihr Vater Charly sich – auf der von ihm veranstalteten Jagd – eine Kugel in den Kopf. Emilia ist sich sicher, dass ihr Vater sich niemals selbst töten würde und von daher ist sie ebenfalls sicher, dass ihr Mann Nicolas irgendwie in die Sache verwickelt sein muss. Von diesem Moment weiß Emilia, dass Nicolas es eigentlich auf sie und ihr Erbe abgesehen hat.

Sie vertraut sich ihren Freundinnen Clara und Alma an und erzählt ihnen von ihrem Verdacht. Nicolas ist Emilia aber immer einen Schritt voraus, weswegen die Beiden an ihrer Aussage zweifeln.

Schafft Nicolas es, durch Emilias Tod an ihr Erbe heranzukommen?


Die Autorin Marion Krafzik hat ihren Thriller „Guilty – Zeit der Vergeltung“ vor der winterlichen Kulisse Schwedens angesiedelt. Die Geschichte wird über 351 Seiten in 53 Kapiteln erzählt. Aufgrund der Kürze der Kapitel, die abwechselnd die Sicht von Emilia und Nicolas beschreiben, baut die Autorin eine Spannung auf, die mich an den Seiten kleben lässt. Wie bei einem Thriller üblich, weiß der Leser, was Nicolas schon alles getan hat und was er als nächsten Schritt für seine Schneise der Verwüstung geplant hat, trotzdem warte ich gespannt darauf, wie er das umsetzen wird, um sein Ziel zu erreichen.

Obwohl Clara und Alma langjährige Freundinnen von Emilia sind, schafft Nicolas es immer wieder mit seinem perfiden Plan, dass die Beiden eher auf seiner als auf der Seite von Emilia sind. Damit hängt dann natürlich auch zusammen, dass Emilia alleine auf weiter Flur ist, weil ihre Freundinnen ihr die benötigte bzw. auch aktiv angeforderte Unterstützung versagen, aufgrund einer anderen Sichtweise auf die Vorfälle. Andere Unterstützung ist zwar vorhanden, aber aufgrund der winterlichen Straßenverhältnisse und der großen Entfernung zwischen den Schauplätzen, benötigt man aber seine Zeit um von A nach B zu kommen.

Die Autorin hat ihr Protagonisten lebensecht erstellt und im Verlaufe der Geschichte wachsen oder verzweifeln sie an den Geschehnissen. Die Menge der handelnden Personen ist überschaubar.

Emilia ist eine sehr gute Staatsanwältin, mit großen Ambitionen Richterin zu werden, was ihr Privatleben betrifft frage ich mich bei ihr aber das eine oder andere Mal, wie man so naiv und/oder auch dumm sein kann. Manchmal macht Liebe scheinbar doch blind. Trotzdem kommt sie ihrem Mann sehr schnell auf die Spur, kann aber nicht viel gegen ihn ausrichten. Was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass ihr erst einmal niemand glaubt.

Nicolas ist von Anfang an der Antagonist. Trotzdem kann ich nicht behaupten, dass er mir komplett unsympathisch wäre. Er hat ein gewisses Maß an Charme und kann auch liebevoll und freundlich sein. An manchen Stellen kann man hinter seine Fassade schauen und da schaut man natürlich in einen Abgrund. Es gibt da diesen witzigen Spruch „Mir egal, wer im Film stirbt, Hauptsache der Hund überlebt“. So ähnlich geht es mir hier auch, es ist aber in dem Fall eine Katze.

Bei den Freundinnen Alma und Clara frage ich mich die ganze Zeit, warum sie eher jemandem glauben, den sie erst kurze Zeit kennen, als ihrer langjährigen Freundin. Aber auch hier lässt Nicolas natürlich seinen Charme spielen und er versteht es hervorragend, die beiden Frauen einzuwickeln. Man braucht tatsächlich keine Feinde mehr, wenn man solche Freunde hat ….

Nicolas kommt natürlich auch nicht so ganz ohne Blessuren davon, Emilia setzt sich ja schon auch zur Wehr. Zum Ende der Geschichte gibt es dann eine Wendung, die mich nicht ganz kalt überrascht hat, weil sie irgendwie ab einem gewissen Punkt vorhersehbar war. Trotzdem fand ich die Auflösung des Falles wirklich gelungen.

Aufgrund des sehr angenehmen Schreibstils der Autorin hatte ich das Buch in kurzer Zeit gelesen. Bei Gelegenheit schaue ich mir ihre anderen Thriller ein wenig ausführlicher an, denn das war sicherlich nicht das letzte Buch von ihr, welches ich gelesen habe.

Horror- & Thriller-Challenge 2020 ~ 47) – gerade Winter ist

Mit Büchern um die Welt – meine literarische Weltreise 2021

A) Kontinent: Europa

B) Reise von A – Z: Stockholm, Vaxholm

C) Hauptstädte: Stockholm (Schweden)

D) Schweden

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3 Antworten zu Guilty – Zeit der Vergeltung (Marion Krafzik)

  1. Rina schreibt:

    Das ist ja das gefährliche bei solchen Psychopathen/Soziopathen – die können unheimlich Charmant spielen….Klingt auf jeden Fall gut….ich bin ja nicht so Fan der nordischen Romane – aber das klingt spannend und ich setze es mal auf meine Unendlichliste

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    • Babsi schreibt:

      Das Thema hatten wir ja gerade erst vor kurzem, mit den nordischen Krimis/Thriller. Aber die Autorin ist in dem Fall eine Deutsche, deswegen habe ich zu dem Buch gegriffen.

      Gefällt 1 Person

      • Rina schreibt:

        Ah – darauf hab ich nicht geachtet…das ist dann was anderes….den die nordischen Autoren sind leider nicht so meins…
        Wahrscheinlich hatten wir es, als ich Die Überfahrt gelesen habe – das schwedisch/finnisch.

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