Der Traum vom Horizont (Alexandra Fischer)

der traum vom horizont

Format: Kindle Edition
Dateigröße: 858 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 722 Seiten
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
Sprache: Deutsch
ASIN: B01781PZQC
Preis eBook: z. Zt.als Aktion 0,99 €
Preis Taschenbuch: 17,99 €

Klappentext:

„Träumt nicht jeder von uns vom Horizont? Davon, dass es dort anders ist, womöglich gar besser? Ich tat es«, flüsterte Rosa von Bahlow und dachte daran, dass jede ihrer drei Töchter einen Mann liebte. In Anbetracht der Umstände jedoch jede von ihnen den falschen.Apia, 1902: Die adelige Familie von Bahlow kommt aus Potsdam in die Kolonie Deutsch-Samoa, um dort einen Neuanfang zu wagen. Während der ehrgeizige Karl von Bahlow davon besessen ist, sich als Pflanzer einen Namen in der Kolonie zu machen, erleben seine Frau Rosa und die drei Töchter Grethe, Helene und Martha den Umzug in die neue Heimat auf ihre ganz eigene Weise. Die fremdartige Kultur der Südsee verändert jede der vier Frauen, beschwört schicksalhafte Begegnungen herauf und zeigt ihnen den Zauber der Liebe, während sich die Ereignisse schließlich überstürzen und im Ausbruch des ersten Weltkrieges gipfeln, der alles auseinanderzureißen droht.

Rezension_sonne-3

Das Buch „Der Traum vom Horizont“ beginnt mit einem Prolog der im Jahre 1920 spielt, 5 Jahre nach dem Ende des letzten Kapitels. Die Schwestern Helene und Martha von Bahlow sehen sich nach 11 Jahren wieder. Helene hat große Angst vor diesem Zusammentreffen und der Prolog endet dann auch mit einer in Tränen aufgelösten Helene. Was genau hier passiert und worum es geht, erschließt sich dem Leser erst, nachdem er das letzte Kapitel des Buches gelesen hat.

Schon mit diesen wenigen Prolog-Seiten, hat die Autorin Alexandra Fischer mich neugierig darauf gemacht, zu erfahren, was vor diesem Zusammentreffen mit den von Bahlows passiert ist.

Der adelige Karl von Bahlow ist 1902 mit seiner Frau Rosa und seinen 3 Töchtern Grethe, Helene und Martha von Potsdam in die Kolonie Deutsch-Samoa (West-Samoa) ausgewandert. Er möchte sich dort als Pflanzer einen Namen machen.

Karl von Bahlow ist ein Despot. Er herrscht mit harter Hand über sein Frau und die Kinder, seine Geschäftspartner, seine Bediensteten und wer sich ihm nicht beugt, der spürt das am eigenen Leibe. Seine Plantage „Tamalele“ nennt er „Klein Potsdam“, das alleine zeigt, wes Geistes Kind er ist.

Frauen haben für Karl von Bahlow nur einen Wert – einen Erben zur Welt zu bringen. Seine eigene Frau hat ihn auf diesem Gebiet maßlos enttäuscht, denn die Töchter Grethe, Helene und Martha sind nun mal keine Erben und auch sie lässt er spüren, dass sie für ihn wertlos sind. Im Hause von Bahlow darf nicht laut gesprochen werden, zu Tisch haben die Frauen mit gesenktem Blick wortlos zu essen und wenn Rosa von Bahlow sich ihren ehelichen Pflichten entziehen möchte, zieren am nächsten Tag blaue Flecke ihren Körper.

Wie es damals auf Samoa üblich war, wurden die Plantagen von günstigen chinesischen Arbeitskräften bearbeitet. Ihr Status war nicht unähnlich dem eines Sklaven. Im Gegensatz zu den Einheimischen durfte bis ins Jahr 1909 bei den chinesischen Arbeitskräften die Prügelstrafe angewandt werden – Karl von Bahlow macht auch hiervon rege Gebrauch. Er scheute sich nicht, jemandem die Peitsche mitten durchs Gesicht zu ziehen, wenn dieser es seiner Meinung nach verdient hatte.

Karl von Bahlow hatte keinen großen Freundeskreis – das ist jetzt aber eher nicht verwunderlich, oder?

Rosa von Bahlow kann dem Leser nur leid tun. Sie leidet unter ihrem herrischen Ehemann, der wirklich keine Gelegenheit auslässt ihr zu zeigen, wie wenig sie ihm als seine Frau bzw. Ehepartner bedeutet. Rosa sitzt an manchen Tagen stundenlang herum und schaut aus dem Fenster und auch zu ihren Kindern hat sie nicht die Beziehung, die man sich zwischen Mutter und Töchtern wünscht. Einzig Martha schafft es, Rosa ein wenig näher zu kommen. Als Rosa dann anfängt sich mit dem Kindermädchen Aveolela anzufreunden und Samoanisch zu lernen, muss sie das hinter dem Rücken ihres Mannes tun, denn sich mit „den braunen Wilden“ anzufreunden wäre einem Affront gleich gekommen.

Grethe, die älteste Tochter, ist pflichtbewusst, ehrgeizig und immer bemüht ihrem Vater zu gefallen und alles zu seinem Wohlwollen zu erledigen. Da Rosa sehr oft unter Unpässlichkeiten leidet, hat Grethe es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Schwestern Anstand und Tugendhaftigkeit beizubringen und sie hat die Führung des Haushaltes übernommen.

Helene, die mittlere Tochter, ist nicht ganz so tugendhaft wie Grethe. Aber auch sie hat gelernt, sich dem Willen des Vaters bzw. Männern generell zu beugen und zu tun was von ihr verlangt wird.

Martha, die jüngste im Bunde, ist das Gegenteil ihrer Schwestern. Sie ist nicht gewillt sich den strengen Regel im Hause von Bahlow zu unterwerfen. Sie findet Wege, wie sie – ohne gesehen zu werden – das Haus verlassen und wieder betreten kann, sie belauscht die Gespräche der Erwachsenen aus ihrem Versteckt heraus und trifft sich mit dem Eingeborenenjungen Tanielu.

Alle von Bahlow-Frauen teilen jedoch das gleiche Schicksal – sie werden mit dem falschen Mann verheiratet und keine von ihnen findet wirklich ihr Glück.

Für mich waren Helene und Rosa die interessantesten Personen. Mit beiden Frauen habe ich richtig gelitten.

Das 1. Kapitel in „Der Traum vom Horizont“ beginnt im Jahr 1902, knapp 6 Wochen nach der Übersiedelung der von Bahlows nach Apia/Deutsch-Samoa und endet mit dem 14. Kapitel 1915 in Wilhelmstal, der Kolonie Deutsch-Ostafrika, wohin Martha mit ihrem Ehemann übergesiedelt ist. Auch der Ausbruch des 1. Weltkrieges macht vor Samoa und den von Bahlows nicht Halt. Jedes Kapitel umfasst den Zeitraum eines Jahres und ist aus Sicht eines Erzählers geschrieben.

Zu Anfang haben mich die 722 Seiten abgeschreckt, aber meine Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet. Über die ganze Länge war das Buch für mich interessant und flüssig zu lesen, ohne einen Durchhänger zu haben. Auch die geschichtlichen Hintergründe sind gut recherchiert und in die Geschichte der von Bahlows eingewoben.

Ein wirklich tolles Buch einer mir bisher unbekannten Autorin.

5_verkleinert Berner

Challenges_flowerStadt-Land-Challenge: Fischer, Alexandra / Rosa / Samoa / 4. noch offen

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