Ich bin mehr als Porno (Anna Schatz)

Sucht kommt von suchen ….

In der Regel ist es ein riesengroßer Zufall dass man bemerkt, wenn eine andere Person ein Suchtproblem hat. Die meisten Menschen mit Süchten wissen ihre Sucht sehr gut und sehr lange vor ihrem Umfeld zu verheimlichen. Meist stolpert man anfangs über irgendwelche kleinen Hinweise, tut dies dann wahrscheinlich als ein „ich kann mich ja auch geirrt haben“ ab. Mehren sich die Hinweise jedoch, kann man irgendwann die Augen nicht mehr vor den Tatsachen verschließen. In diesem Fall kamen die Hinweise nicht häppchenweise, sondern wie eine Sturzflut.

In der heutigen Zeit ist es üblich, dass jeder sein eigenes Smartphone, Tablet, Laptop hat – in einer Partnerschaft kann es jedoch trotzdem einmal vorkommen, dass man ein Gerät seines Partners nutzt, weil das eigene gerade nicht verfügbar ist. In der Regel – und in einer Partnerschaft, in der man nichts zu verbergen hat – sollte das kein Problem darstellen.

In diesem (Hör-)Buch, welches die wahre Geschichte von Isabel und Maik erzählt, benutzt Isabel ausnahmsweise das Handy ihres Mannes, weil sie etwas googlen möchte. Isabels Aussage „Ich kannte meinen Mann besser als jeder andere Mensch“ bekam an diesem Tag einen herben Dämpfer. Per Zufall gerät sie in den Verlauf des Handybrowsers der letzten Tage und findet dort unzählige Links von Dating-und Porno-Seiten sowie Porno-Videos; diese Seiten sind unschwer schon an ihrer Bezeichnung zu erkennen. Das Wort „unzählige“ bedeutet in diesem Zusammenhang genau das, was die Definition des Wortes hergibt – die Menge an Links/Videos war unfassbar groß und nicht zählbar. Hier stellte sich gar nicht die Frage, ob Maik einen dieser Links beim Surfen im Internet zufällig und ohne Absicht angeklickt haben könnte; die Möglicheiten „aus Versehen“ auf einen Link zu einer Porno-Seite zu klicken sind tatsächlich riesengroß, ich glaube das wissen wir alle, die wir im Internet unterwegs sind. Dass jemand sich hunderte Male „verklickt“ ist eher auszuschließen.

Obwohl sie sich vorgenommen hat, zuerst einmal nichts zu sagen und erst einmal für sich selbst zu recherchieren, stellt Isabel ihren Mann dann doch zur Rede und Maik tut das, was alle Menschen tun, die suchtkrankt sind: Er tut die Sache als harmlos ab und möchte nicht weiter darüber reden.

Ach das. Ja, mein Gott, hab ich nur mal so draufgeklickt ab und zu.
Vor allem, wenn Du weg warst.

Kapitel 6, Minute 1:20

Für Maik ist das Thema erst mal beendet. Doch dieses Thema sollte uns von nun an für Jahre nicht verlassen.

Kapitel 6, Minute 3:00

Um für sich selbst eine Antwort zu bekommen spricht Isabel mit anderen Menschen über dieses Thema und stets bekommt sie die gleichen Antworten; entweder man rät ihr, ihren Mann zu verlassen, oder sie bekommt zu hören, dass sie ihrem Mann beim Sex wohl nicht das gibt, was er gerne hätte. Nichts von dem ist hilfreich und zielführend – Maik ist pornosüchtig und diese Sucht beherrscht sein Leben und somit auch das Leben seiner Familie.

Isabel entschließt sich dazu, ihren Mann nicht zu verlassen, auch wenn sie immer wieder vom ihm belogen wird und sie Angst hat, dass ihre beiden kleinen Kinder etwas von der Sache mitbekommen. Es gibt übrigens auch die Phase, in der Isabel Angst hat, die Kinder mit Maik alleine zu lassen.

Der Leidensweg von Maik, und damit auch der von Isabel, geht über Jahre und auch nach dem erfolgreichen Abschluss einer Psycho-Therapie ist das Thema Pornosucht noch lange nicht vom Tisch. Maik verfällt immer wieder in alte Muster – aber nach jedem Rückfall wird es besser. Ganz geheilt von seiner Sucht wird Maik nie sein, so wie ein trockener Alkoholiker nie wirklich sicher sein kann, nicht doch irgendwann einmal einer Versuchung zu erliegen. Der Trigger für einen abstinenten Pornosüchtigen ist jedoch – meiner Meinung nach – sehr viel präsenter, als für einen Alkoholiker. Bei einem trockenen Alkoholiker kann man – weitestegehend, jedoch auch nie zu 100 % – Alkoholika aus dem persönlichen Lebensraum verbannen, so dass zumindest zu Hause keine Animation stattfindet – für einen Pornosüchtigen ist das Leben etwas schwerer (auch nur meiner Meinung nach), da man in allen Bereichen des täglichen Lebens mit nackter Haut konfrontiert wird. Im TV, in sehr großem Ausmaß in den Social Media, auf der Straße …. die „Verführung“ lockt rund um die Uhr.

Wer im privaten Umfeld mit einem suchtkranken Menschen zu tun hat, der wird diese Geschichte nicht nur hören, sondern auch fühlen – und da ist es egal, ob es sich um Alkoholsucht, Spielsucht, Internet-/Pornosucht oder Drogensucht handelt. Der Ablauf ist sicher in allen Fällen identisch, die unendliche Suche nach einem Therapeuten oder Hilfsangebot wahrscheinlich auch. An dieser Stelle möchte ich die Autorin Anna Schatz erwähnen, die in ihrer Eigenschaft als Therapeutin Isabel die ganze Zeit begleitet und beraten hat.

Es braucht mehr Menschen wie Isabel, die nicht gleich das Handtuch werfen und gehen, wenn es in einer Beziehung/Ehe anstrengend wird. Der Weg von Isabel ist wahrscheinlich genau so schwer und anstrengend wie der Weg von Maik, aber Maik war es, der den wichtigsten Schritt machen musste, denn:

Du wirst es nie schaffen einen Menschen, der in seiner Welt des Leidens gefangen ist, herauszuholen, solange er selbst nicht nach dem Ausgang zu suchen beginnt! 
[Ana Blom]⠀⠀

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