Knochenkalt (Cecily von Hundt)

Ich werde nicht ruhen, bis sie mich finden…

Penny Kalunke ist Reporterin beim „Tageblatt“ und, seit sie im Alter von 25 Jahren mit einem Journalistenpreis für ihre Enthüllungsgeschichte über Kindesmissbrauch an ihrer alten Schule in Berlin-Marzahn ausgezeichnet wurde, eine kleine Berühmtheit. Ihre Freundin Nora Schneider arbeitet als leitende Rechtsmedizinerin und liefert Penny, unter der Hand, Tipps für Storys, die brandheiß sind. So auch dieses Mal, als eine ermordete 26jährige Prostituierte auf Noras Seziertisch landet, in deren Mund sich ein Zettel mit der Aufschrift „Das ist erst der Anfang“ befindet.

Zeitgleich mit dem Auffinden der 2. Leiche, in deren Mund sich ebenfalls ein Zettel befindet, bekommt Penny einen persönlichen Brief des Mörders, in dem er ihr sein Motiv unterbreitet und sie darum bittet, dass ausschließlich sie über ihn und seine „Kunst“ schreiben soll und niemand anderer. Kurz darauf wird eine männliche Leiche gefunden.

Da der Serienmörder in seinem Brief an Penny Details aus ihrem Privatleben beschreibt, scheint er sie zu kennen. Zu ihrer eigenen Sicherheit entschließen sich Max Wolters, ihr Patenonkel und Chef, und Penny, dass sie in dieser Sache mit der Polizei zusammenarbeiten wird.

Wer ist der Serienmörder von Berlin und wie ist er mit Penny verbunden?


Penny ist 27 Jahre alt und leidet unter einer bipolaren Persönlichkeitsstörung. Das bedeutet, dass sich bei ihr manische und depressive Phasen abwechseln. Ein Erbe ihrer Mutter, die ihre Tochter und ihren Mann vor 16 Jahren verlassen hat. Ihr Vater hat sich damals lieber dem Alkohol als seiner kleinen Tochter zugewandt und die einzige Stütze in Pennys Leben ist ihr Patenonkel Max, der gleichzeitig ihr Chef und der Herausgeber des „Tageblatt“ ist. In einer manischen Phase hat Penny eigenmächtig beschlossen ihre Medikamente abzusetzen, weswegen sie gerade jetzt, als der Mörder sie zu ihrem Sprachrohr machen möchte, ihr eigenes Leben nicht auf die Reihe bekommt.

Einerseits ist es schön, dass man auch mal etwas über Menschen mit Persönlichkeitsstörungen zu lesen bekommt, dieses Thema wird ja in Büchern und Filmen immer noch weitestgehend tabuisiert, andererseits nimmt Pennys Krankheit in diesem Buch so viel Raum ein, dass die Mordserie irgendwie in den Hintergrund tritt. Und gefühlt jeder aus Pennys direktem persönlichen Umfeld ist dem Alkohol zugetan, Max ist da tatsächlich der Fels in der Brandung, denn Pennys Verhältnis zu ihrem Vater ist nicht das Beste.

Die Geschichte wird dem Leser durch einen auktorialen Erzähler vermittelt, aus der Sicht von Penny, aus der Sicht des Mörders und aus der Sicht einiger anderer Personen wie z. B. Pennys Vater. Die Kapitel sind recht kurz gehalten, was der Geschichte einen guten Lesefluss verleiht. Der Schreibstil der Autorin ist angenehm zu lesen, leider fehlten mir zwei wichtige Dinge: Durchgehende Spannung und die Empathie zur Haupt-Protagonistin Penny.

Die Spannung ist streckenweise vorhanden, sonst hätte ich das Buch sicherlich nicht zu Ende gelesen, aber der Spannungsbogen fällt tatsächlich immer wieder in sich zusammen, sobald die Schilderungen von Pennys persönlichen Befindlichkeiten in den Vordergrund gerückt werden. Vielleicht hätte man der Geschichte von Penny am Anfang ein paar mehr Zeilen widmen sollen, um sie besser kennenzulernen, damit man eine Beziehung zu ihr aufbauen kann. Das konnte ich nicht und das lag sicherlich nicht an ihrer Persönlichkeitsstörung, denn gerade das fand ich einen interessanten Ansatz für den Charakter einer Reporterin.

Mit nur 236 Seiten war das Buch schnell gelesen, ein paar Seiten mehr hätten der Ausarbeitung der Charaktere sicherlich gut getan. Der Grundriss der Story ist gut, ohne Frage.

  • Mit Anja und Tanja durch die Jahreszeiten: Frühling – 10. mit roter Schrift auf dem Cover
  • Literarische Weltreise: wird nachgetragen
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