Barrie – wie ich eine Hündin rettete, und sie mich (Seán Laidlaw)

Ein syrischer Hund findet Heimat in England

Seán Laidlaw arbeitet als Bombenentschärfer beim Militär und seine Arbeit findet in den schlimmsten Krisengebieten statt. Als er aus Afghanistan zurück kommt, bringt er im Gepäck eine posttraumatische Belastungsstörung mit. Er kommt mit seinem Leben in der Zivilisation nicht klar, versinkt in Depressionen und es ist ihm alles zu viel. Gemeinsam mit seinem Freund Mitch eröffnet er das Gesundheits- und Fitness-Unternehmen Beyond Limits, aber auch das reißt ihn nicht aus seiner Lethargie. Auf der Beerdigung eines Millitär-Kameraden bekommt er das Angebot, für die Räumung von Sprengfallen nach Rakka/Syrien zu gehen und er ergreift die Chance.

Es war wie eine Gelegenheit, mich an den letzten Ort zurückzuversetzen, an dem es mir gut gegangen war. Vielleicht war das ein Weg, um wieder besser zurechtzukommen.

Bei einem seiner Einsätze entdeckt Seán in den Trümmern einen Hundewelpen. Über die Dauer von einigen Tagen erlangt er das Vertrauen des misstrauischen Tieres und dann nimmt er den kleinen Hund mit ins Camp. Nach kurzer Zeit ist Seán so sehr in Barrie verliebt, dass er beschließt, nach dem Ende seines Einsatzes die Hündin mit nach Großbritannien zu nehmen. Er beginnt schon von Syrien aus, alles für ihre große Reise zu planen. Nach einem kurzen Heimaturlaub darf Seán aufgrund der erhöhten Kriegsaktivitäten nicht mehr nach Syrien zurück, Barrie befindet sich aber nach wie vor im Militär-Camp in Rakka. Seán möchte Barrie nicht in Syrien zurücklassen, er selbst darf nicht mehr einreisen und nun beginnt eine große Maschinerie zu laufen, die alles versucht, dass Barrie auf legalem Wege von Syrien nach Großbritannien übersiedeln darf. Viele Menschen machen das Unmögliche möglich und nach knapp 6 Monaten kann Seán seine Hündin im 500 km entfernten Flughafen Charles de Gaulle in Paris abholen.

In den nächsten Wochen stellt Seán fest, dass nicht nur er die Rettung für Barrie war, sondern auch sie für ihn bzw. für seine psychische Verfassung therapeutische Auswirkungen hat.

Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.

Ich weiß nicht genau, ob dieser Spruch tatsächlich von Hildegard von Bingen ist, oder nicht. Es war auf jeden Fall das Erste, was mir eingefallen ist, nachdem ich dieses Buch gelesen habe. Dass Tiere, hier insbesondere Hunde, positive therapeutische Eigenschaften haben, ist nichts neues. Es wundert mich deswegen nicht, dass es Seán psychisch besser geht, nachdem Barrie in sein Leben getreten ist. Ich habe seit 2001 Hunde und ich könnte mir ein Leben ohne diese nicht mehr vorstellen.

Seán Laidlaw beschreibt in seinem Buch seinen Werdegang – sowohl beruflich, als auch privat, seit dem Zeitpunkt seiner Jugend. Er beschreibt, wie er zum Militär kam, die Zustände im Kriegsgebiet Afghanistan und welche Auswirkungen dieser Aufenthalt im Kriegsgebiet auf seine Psyche und somit auf sein Leben hatte. Er sieht den Einsatz in Syrien als seine Rettung und da er in Rakka junge Männer als Bombenentschärfer ausbildet, beschreibt er auch seine Arbeit und wie genau man in einem von Bomben durchseuchten Gebiet diese Bomben findet und unschädlich macht. Der Leser ist dabei, als Seán den Welpen findet und von da an an jedem weiteren Tag, an dem Hund und Mensch gemeinsam durchs Leben gehen.

Die Geschichte von Seán und Barrie passierte im Jahr 2018 und es ist mit Sicherheit eine außergewöhnliche Geschichte. Barrie erinnert mich ein klein wenig an die syrische Flüchtlingshündin, die ich 2015 in meinem Haus aufgenommen hatte. Über sie wurde von der UNHCR schon im Flüchtlingscamp auf der Insel Lesbos berichtet und auch ich wurde damals von den Medien und den Social Media überrannt. Von daher kann ich nachvollziehen, wie es Seán empfunden haben muss, auf einmal – wegen eines Hundes – im Rampenlicht zu stehen.

Die großen Themen, die das Buch anschneidet – die Rettung eines Hundes aus dem Kriegsgebiet Syrien – interessieren mich sehr. Ich hatte hier jedoch ein rührseliges, emotionales Buch erwartet aber leider ist aus jedem einzelnen Satz herauszulesen, dass Seán ein Soldat ist. Die Geschichte liest sich eher wie ein militärischer Bericht denn als ein Buch, das die Herzen der Leser schmelzen lassen soll.

Schade, ich hätte gerne ein paar Tränchen für Barrie geweint, aber der Erzählung ihres aufregenden Abenteuers und der damit einhergehenden Gesundung ihres Herrchens fehlen jegliche Emotionen.

Ein großes Lob für alle beteiligten Menschen und Organisationen, dass sie Barrie aus diesem Kriegsgebiet herausholen konnten. Ich wünsche der Hündin und ihren Menschen, dass sie noch lange ein glückliches Leben führen und, dass sie fernab von öffentlicher Aufmerksamkeit, ganz für sich alleine, ihren gemeinsamen Weg weiter gehen können.

Dieser Beitrag wurde unter eBook, Harper-Collins abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Barrie – wie ich eine Hündin rettete, und sie mich (Seán Laidlaw)

  1. Rina schreibt:

    Ach schön – trotzdem….besser wäre dann wahrscheinlich gewesen, jemand hätte die Geschichte für ihn geschrieben…vielleicht eine Frau…die sind schon bisschen sensibler. Dabei fällt mir ein, dass ich unbedingt den Film Smuggling Hendrix schauen wollte – da geht es um einen Hund, der über die Grenze von Zypern abhaut und sein Herrchen nicht einreisen darf um den Hund zurück zu holen…..und sie wollen den Hund dann über die Grenze schmuggeln…

    Gefällt 1 Person

    • Babsi schreibt:

      Danke für den Filmtipp – habe gerade mal geschaut, der würde mir sicherlich auch gefallen.

      Ja, seine Freundin oder jetzt Frau (?) hätte das Buch schreiben sollen, das wäre sicherlich emotionaler gewesen. Es liest sich halt typisch wie ein Bericht eines Soldaten, der einen Umstand erklären soll. Das ist sehr schade, denn das Buch könnte so richtig auf die Tränendrüse drücken.

      Gefällt 1 Person

  2. Yvonne schreibt:

    Das Buch wollte ich eigentlich auch anfragen, aber ich nehme lieber davon Abstand wenn da die Emotionen einfach fehlen. Das ist nicht mein Ding……

    Gefällt 1 Person

Ich freue mich über jeden Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.