Blutgott (Veit Etzold)

Der 7. Fall für Clara Vidalis

Auf der Strecke zwischen Dortmund und Frankfurt wird in einem IC-Abteil ein junges Mädchen bestialisch ermordet, regelrecht abgeschlachtet. Ihre Leiche und ihre Innereien werden auf eine ganz bestimmte Art und Weise hindrapiert und am Fenster befindet sich ein mit Blut gemaltes Symbol.

Kurze Zeit darauf gibt es ein zweites Opfer in einer Telefonzelle. Auch hier wurde ein Mensch wie ein Vieh abgemetzelt und an der Scheibe der Telefonzelle findet sich das gleiche blutige Symbol, wie im IC.

Erste Ermittlungsergebnisse gehen in die Richtung, dass es sich jeweils um größere Tätergruppen handelt, die gemeinsam losziehen um gezielt Menschen zu ermorden.

Die Auswertung der Überwachungskameras aus den Bahnhöfen führt dann tatsächlich zu einem der Täter – problematisch nur, dass dieser unter 14 Jahre alt ist, was in Deutschland bedeutet, dass der Junge strafunmündig ist und für seine Tat nicht belangt werden kann. Auf seine Mittäter trifft das ebenso zu.

Die Ermittler des LKA Berlin, allen voran die Hauptermittlerin Clara Vidalis und ihr Ehemann Martin Friedrich, von allen nur MacDeath genannt, finden Hinweise darauf, dass diese „slash mobs“ von einer Person aus dem Dark Web gesteuert werden, die sich BG666 nennt. Die Abkürzung BG steht für das Wort BLUTGOTT.

Kommen die „Jünger“ des Blutgottes tatsächlich straffrei davon?


Der Thriller „Blutgott“ ist der 7. Band einer Reihe um die Ermittlerin Clara Vidalis. Für mich war es jedoch das 1. Buch aus dieser Reihe und gleichzeitig auch das 1. Buch des Autors Veit Etzold.

Auf Facebook bin ich auf den „Blutgott“ aufmerksam geworden und eine Freundin und Blogger-Kollegin hat dieses Buch ebenfalls vor kurzem gelesen, und so wurde ich neugierig. Ich stehe nicht so auf blutiges Gemetzel, weswegen ich normalerweise die Finger von solchen Büchern lasse, hier wollte ich es aber trotzdem darauf ankommen lassen, ob ich das ertrage oder nicht.

Die grausigen Taten werden vom Autor tatsächlich sehr ausführlich beschrieben und dafür ist Veit Etzold auch bekannt (wenn man die Rezensionen seiner anderen Bücher liest), aber scheinbar bin ich doch nicht ganz so zart besaitet, wie ich es von mir dachte, denn ich kam mit den Beschreibungen sehr gut klar.

Der Thriller ist in 3 Teile eingeteilt. „Buch 1“ enthält 29 Kapitel, in „Buch 2“ sind es 22 Kapitel und „Buch 3“ weist 23 Kapitel auf.

In „Buch 1“ erfährt man als Leser, wie der Blutgott zumindest einen seiner Jünger gefunden hat, es lässt sich aber daraus ableiten, dass das nicht nur bei Noah so gut funktioniert. Der Blutgott rekrutiert seine Anhänger über Skype-Videos, mit denen er die Kinder erpresst. Nun denn, ein gewisses Maß an Gewaltpotential muss bei den unter 14-jährigen vorhanden sein, sonst würden sie sich auf diese Art und Weise nicht erpressen lassen sondern BG666 ins Leere laufen lassen.

Die Kapitel wechseln sich ab und werden aus der Sicht von verschiedenen Personen erzählt. Obwohl hier nicht wirklich Spannung aufgebaut wird, möchte ich lesen, was als nächstes passiert.

In „Buch 2“ geht es überwiegend über die Ermittlungsarbeit der verschiedenen Polizeibehörden, also dem LKA und der Zusammenarbeit mit der Bundespolizei. Man bekommt einen kleinen Einblick ins Dark Net und wie man über das Dark Net Informationen verkaufen/verbreiten kann. Gerade in Bezug auf z. B. Gewalt und Pornografie ist das Dark Net ja tatsächlich eine Quelle, die gerne und oft genutzt wird. Die Ermittler erinnern sich hier gerne an vergangene Fälle von Serien-/Massenmorden, so dass sie sich gegenseitig die Namen der Täter zuwerfen. Irgendwann wurde mir das dann zu viel, denn ich wollte mehr von dem aktuellen Fall lesen und nicht über die Skythen oder die Ndragheta-Mafia, auch nicht über die Cosa Nostra oder Jim Jones, die Davidianer oder wie sie alle hießen, die Serienkiller unserer Zeit. Auch hier fehlte mir die Spannung, die mich atemlos am Reader kleben ließ.

Leider kristallisiert sich bei mir auch nicht heraus, dass Clara Vidalis die Hauptermittlerin ist. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass ihr Mann, McDeath, der Mann an der Spitze der Ermittler ist. Clara ist eher im Hintergrund, man erfährt viele ihrer Gedanken, aber bei den Ermittlungen hält sie sich irgendwie eher zurück.

In „Buch 3“ geht es dann darum, mit welch perfidem Trick sie an den Blutgott rankommen wollen. Hier war mir einiges der Handlungen deutlich zu überzogen und im realen Leben würde das auch so wahrscheinlich (!!) niemals ablaufen, aber jeder Autor hat natürlich die Freiheit, seine Geschichte so auszuschmücken, wie es ihm gefällt. Dieser Teil hat mir trotzdem am besten gefallen, da hier endlich eine gewisse Dynamik aufkommt die mich dann doch gefesselt hat … und dann kommt da dieser Schluss, der alles offen lässt. Kommt da noch was ??

Grundsätzlich hätte ich mir mehr Hintergrundinformationen zu den Banden von Jugendlichen gewünscht, die wahllos mordend durch die Städte ziehen. Auch zu Noah und Marie gibt es irgendwie nur dürftige Informationen. Keine Vorgeschichten, keine Hinweise auf irgendwelche Traumata … warum sind sie so geworden? Das führt natürlich dazu, dass die Personen für mich keine Tiefe aufweisen, nicht greifbar sind. Weder die Täter noch die Ermittler hinterlassen bei mir einen bleibenden Eindruck und werden wahrscheinlich auch nicht lange bei mir nachwirken.

Ich muss gestehen, ich hatte mir von diesem Buch mehr erwartet. Der Plot ist gut, die Umsetzung hat mich nicht wirklich vom Hocker gehauen.

Vielen Dank an Veit Etzold, den Verlag Droemer Knaur und NetGalley für die Überlassung des Lese-/Rezensionsexemplares.

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3 Antworten zu Blutgott (Veit Etzold)

  1. Rina schreibt:

    In Amerika gibt es ja dann die Möglichkeit die Jugendlichen wie Erwachsene zu verurteilen. Wenn die schon so abgestumpft sind ist das erschreckend.
    Ich hab von dem Autor noch nichts gelesen – aber er steht auf der Liste derer, die gelesen werden sollten.
    Ich finde es aber auch schade, wenn man nicht so wirklich die Hintergründe zu diesen Taten erfährt. Da fühlt man sich so ein bisschen in der Luft.

    LG

    Gefällt 1 Person

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