Spreewaldtod (Christiane Dieckerhoff )

Ihrer Kollegin Wiebke Bredau von der Spurensicherung verdankt Kriminalobermeisterin Klaudia Wagner es, dass sie sich an diesem heißen Augustabend nicht in ihrer stickigen Einliegerwohnung sondern auf dem alljährlichen „Hechtfest“ in Lübbenau wiederfindet. Ihre Kollegin hat Recht, sie braucht Abwechslung und kann nicht immer nur in Grübeleien versinken, wenn sie gerade nicht im Dienst ist. Der letzte Fall, bei dem sie einen Menschen erschossen hat, lässt sie einfach noch nicht los.

Auf dem Hechtfest wird viel getrunken und getanzt, was die Stimmung unter den Anwesenden ein wenig hochkochen lässt und so wird Klaudia Zeugin eines Streits zwischen zwei jungen Männern. Einer der Beiden wird am nächsten Morgen tot in einem Fließ treibend gefunden. Es handelt sich um Vlad, einen rumänischen Erntehelfer, der bei einem der ortsansässigen Bauern während der Gurkenernte angestellt ist.

Hat sein Tod etwas mit dem Erpresserschreiben zu tun, das bei Bauer Asche eingegangen ist? Oder weil er beim Hechtfest mit Bauer Asches‘ Tochter getanzt und das jemand anderem missfallen hat?

Klaudia Wagner und Peter Demel übernehmen den Fall, in dem es nicht bei einem Toten bleibt.


„Spreewaldtod“ ist der 2. Krimi aus der Feder der Autorin Christiane Dieckerhoff in dem die Kriminalobermeisterin Klaudia Wagner ermittelt. Klaudia wurde erst vor kurzem nach Lübbenau versetzt und schon ihr 1. Fall muss es mächtig in sich gehabt haben. Genau dieser Umstand hat mir den Einstieg in den aktuellen Fall sehr schwer gemacht. Es werden ständig Andeutungen auf die damaligen Geschehnisse gemacht, aber die Autorin verzichtet erst mal komplett auf erklärende Rückblicke. Schade, denn die immer wieder in den Vordergrund rückenden psychischen und physischen Befindlichkeiten von Klaudia Wagner nehmen im Buch meiner Meinung nach zu viel Raum ein. Auch ihr gestörtes Verhältnis zu ihrem Teamkollegen Peter Demel wird nur kurz angerissen, die Tatsache, dass Klaudia ihn nicht mag, wird aber sehr oft thematisiert. Dass Ermittler in der Regel auch immer ihre eigenen Dämonen bekämpfen, ist nichts neues, aber hier war es dann doch deutlich zu viel. Vielleicht sieht man das anders, wenn man den 1. Band „Spreewaldgrab“ vorher gelesen hat und die Hintergründe versteht.

Der Kriminalroman spielt im Spreewald zum Zeitpunkt der Gurkenernte. Die Arbeit auf dem „Gurkenflieger“ ist eintönig, mühsam und kräftezehrend. Das erklärt, warum die meisten Erntehelfer aus Rumänien kommen. Die örtlichen Gegebenheiten werden von C. Dieckerhoff bildhaft beschrieben und ich hatte irgendwie immer den Geruch von eingelegten Gurken in der Nase.

Der Fall selbst lädt zum Miträtseln ein und es gibt unvorhergesehene Wendungen. Die Gurkenbauern sind natürlich nicht sehr kooperativ und auch die anderen rumänischen Arbeiter halten mit der Wahrheit erst einmal hinter dem Berg. Die Auflösung kommt dann auch ganz anders als erwartet und überraschend um die Ecke.

Die Autorin hat einen angenehmen Schreibstil, man kann den Krimi fließend lesen. Die Ermittler sind ganz gut ausgearbeitet, bleiben aber aufgrund der fehlenden Informationen zu ihrem Vorleben eher nicht greifbar. Wie schon erwähnt, rücken die persönlichen Befindlichkeiten der Ermittlerin Klaudia Wagner immer mal wieder in den Vordergrund, ebenso das Familiendrama ihres Vermieters, was leider zu Lasten des aktuellen Falles geht, denn der rückt dadurch sehr oft in den Hintergrund. Dadurch baut sich leider auch kein konstanter Spannungsbogen auf. Die Autorin baut Spannung auf und lässt sie dann in Sekundenschnelle in sich zusammenfallen, weil Klaudias Tinnitus oder ihre Angststörung mal wieder in den Vordergrund rücken.

Leider werden auch einige Dinge thematisiert, die dann irgendwie nicht weiter aufgeklärt werden und als Leser hängt man ein klein wenig in der Luft. Vielleicht finden diese Dinge Aufklärung im 3. Band, ich hätte aber schon gerne in Verbindung mit dem aktuellen Fall gewusst, warum die Staatsanwältin die Ermittlungen in Bezug auf eine Person unterbindet und Klaudia und ihren Kollegen rigoros zurückpfeift. Auch die kurzen Einblicke in das Privatleben des erkrankten Kollegen Thang hinterlassen ein Fragezeichen in meinem Kopf. Hier fehlt mir ebenfalls eine Aufklärung, wahrscheinlich wird dieses Thema aber in einem 3. Band fortgeführt.

Alles in allem ist „Spreewaldtod“ ein ruhiger Krimi mit Spreewälder Lokalkolorit. Wer sich von den immer wieder thematisierten, aber nicht wirklich erklärten, Befindlichkeiten der Ermittlerin nicht abschrecken lässt, der kann sich mit diesem Buch durchaus wohlfühlen. Mir waren es auf der einen Seite zu viel und auf der anderen Seite zu wenig Informationen.

Ich habe dieses Buch im Rahmen der Aktion „Bücher, nicht Boote“ von der Autorin direkt erhalten und so befindet sich auf der ersten Seite auch eine Widmung, für die ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanke.

[LtaM] Buch mit mehr als 300 Seiten – 2,00 €

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