Seelen im Eis (Yrsa Sigurdardóttir) / Hörbuch

Was passierte im Erziehungsheim in Krókur ?

Durch den plötzlichen Tod seiner Ex-Frau Lára wird Óðinn von jetzt auf gleich zum alleinerziehenden Vater seiner 11jährigen Tochter Rún. Die Beiden hatten bisher nicht unbedingt eine sehr enge Beziehung und Óðinn muss sich mit seiner Vaterrolle erst einmal anfreunden. Statt wie bisher Besuchszeiten im 14tägigen Abstand, muss er sich nun täglich mit seiner Tochter auseinandersetzen.

Gleichzeitig mit dieser großen Veränderung in seinem Leben bekommt er als neuer Mitarbeiter der staatlichen Kontrollbehörde den Auftrag, die Geschehnisse in der vor vielen Jahren geschlossenen Erziehungsanstalt Krókur zu recherchieren, weil zu klären ist, ob den Bewohnern im Nachhinein Schadenersatz zugestanden werden muss. In diesem Erziehungsheim für minderjährige Jugendliche sind in den 1970er Jahren 2 der Bewohner ums Leben gekommen.

Während Óðinn auf der beruflichen Schiene nach und nach die Geschehnisse von 1974 recherchiert, beschäftigt er sich privat mit dem frühen Tod seiner Frau und den damit zusammenhängenden psychischen Problemen seiner Tochter. Solange die Umstände um Láras Tod nicht wirklich aufgeklärt sind, kann Rún keine Ruhe finden. Ist Lára tatsächlich unglücklich aus dem Fenster gestürzt oder gab es da jemanden, der nachgeholfen hat?

Welche Rolle spielt Óðinn selbst in dieser Geschichte?
Und welche Parallelen gibt es zwischen seinem Leben und den Vorkommnissen in Krókur?


Ich hatte Anfang September auf dem Blog von ElaLettrice eine Rezension zu einem anderen Buch von Yrsa Sigurdardóttir gelesen. Da fiel mir ein, dass „Seelen im Eis“ schon lange in meinem Regal steht und nach der Rezension hatte ich Lust, dieses Buch aus meinem SuB zu befreien. Da ich aber ebenso schon lange einmal das Experiment „Hörbuch“ durchführen wollte, und per Zufall bei einem kostenpflichtigen Streaming-Dienst die ungekürzte Fassung gefunden hatte, habe ich dieses Buch dann nicht gelesen, sondern gehört.

Ich habe keine Erfahrung mit Hörbüchern, weiß aber aus unterschiedlichen Rezensionen/Diskussionen, dass die Qualität eines Hörbuchs mit dem Sprecher steht oder fällt. Deswegen möchte ich hier an erster Stelle den Sprecher Daniel Drewes erwähnen, der das Buch für meine Begriffe hervorragend präsentiert hat. Er hat eine sehr angenehme Stimme und ich konnte ihm über die Zeit von 10 Stunden und 26 Minuten gut und gerne zuhören.

Mir ist jedoch aufgefallen, dass ich einem Hörbuch nur aufmerksam zuhören kann, wenn ich nebenbei nichts tue, was mich in irgend einer Art und Weise ablenken könnte. So konnte ich beim Kochen gut hören, beim Autofahren auf Strecken, die ich in- und auswendig kenne, jedoch nicht bei anderer Art von Hausarbeit oder bei Autofahrten, bei denen ich mich auf die Strecke konzentrieren musste. So dauerte es dann auch wirklich fast 2 Monate, bis ich dieses Buch zu Ende gebracht habe. Das macht aber nichts, ich lese/höre zu meiner Entspannung, nicht um mich hetzen zu lassen. 🙂

Nun aber endlich zum Inhalt des Buches:

Die Geschichte wird in 2 Zeitsträngen erzählt.

Zum einen befinden wir uns im Hier und Jetzt mit Óðinn, seiner Tochter Rún und den Recherchen zum Erziehungsheim Krókur in den 1970er Jahren. Bis zu ihrem Tod hat seine Kollegin Róberta sich mit diesem Fall beschäftigt.

Zum anderen erzählt uns die Krókur-Mitarbeiterin Aldís die Geschehnisse im Winter 1974, in dem die beiden Jungs Einar und Tobbi ums Leben gekommen sind.

Ich muss gestehen, dass ich nach den Hinweisen auf dem Buchrücken eine etwas andere Erwartung an dieses Buch hatte. Leider empfand ich es nicht als „nervenzerreißende Spannung“ und ich konnte es auch gut und gerne nach Einbruch der Nacht lesen/hören. Da ich noch kein Buch der Autorin gelesen habe, kann ich hier leider keine Vergleiche zu anderen Büchern ziehen.

Die Geschichte beginnt mit einem Prolog, der das Ende des Buches vorweg nimmt. Ok, man weiß noch nicht so ganz genau um was es eigentlich geht, aber es ist schon ziemlich detailliert beschrieben.

Die Einführung in beide Erzählstränge erfolgt laaaaaaaaaaaaaaaang und ausgiebig und stellenweise frage ich mich, wann es denn nun endlich einmal spannend werden wird. Die Geschichte plätschert sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit lange Zeit nur so vor sich hin. Das Buch hätte ich vermutlich zwischendurch abgebrochen, nur der Umstand, dass ich das „Experiment Hörbuch“ abschließen wollte, hielt mich bei der Stange.

Erst zu dem Zeitpunkt, zu dem die Handlungsstränge zusammenlaufen, wird es dann doch noch interessant und spannend. Der Schluss ist durch den Prolog fast schon bekannt, aber eben nur fast, denn das Ende entwickelt sich dann tatsächlich noch ein klein wenig anders, als man zu Anfang denkt.

Die Charaktere erscheinen mir alle ein wenig kühl. Sowohl die Beziehung zwischen Óðinn und seiner Tochter, als auch die Beziehung zu seiner Schwiegermutter oder Arbeitskollegin Diljá lassen zwischenmenschliche Wärme und Herzlichkeit vermissen. Ebenso verhält es sich im Erziehungsheim Krókur, wobei es in einem Erziehungsheim für minderjährige Jugendliche sicherlich in den 70er Jahren generell nicht viel zwischenmenschliche Wärme gab. Ich konnte mir jede einzelne Person gut vorstellen, trotzdem konnte ich leider zu keiner von ihnen eine Beziehung aufbauen.

Von einem Thriller ist dieses Buch – nach meiner Auffassung – weit entfernt. Ich werde jedoch gerne noch einmal zu einem Buch von Yrsa Sigurdardóttir greifen, vielleicht kann sie mich mit einer anderen Geschichte überzeugen.

[LtaM] Das Buch hat 362 Seiten – also 2,00 €

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3 Antworten zu Seelen im Eis (Yrsa Sigurdardóttir) / Hörbuch

  1. Rina schreibt:

    Da gebe ich dir absolut Recht – der Sprecher muss passen. Und ich denke ungekürzt sollte es sein. Ich habe auch schon ein Buch gelesen und mit dem Hörbuch unterstützt, gerade bei der Hausarbeit oder Kochen. Da ist es echt praktisch, wenn sie 100% übereinstimmen.
    Ich habe auf jeden Fall gefallen an Hörbüchern gefunden. Sie sind wirklich eine ziemlich gute alternative zu Büchern. Auch gerade bei denen, die einen vielleicht nicht so reizen.

    LG

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