Schattwald (Barbara Dribbusch)

Nervenheilanstalt Schattwald 1943

Seit vielen Jahren hat die 46jährige Anne Südhausen keinen Kontakt mehr zu ihrer Großmutter aus Innsbruck. Umso erstaunter ist sie über einen Anruf, der sie darüber in Kenntnis setzt, dass eben diese Großmutter verstorben ist und sie die einzige noch lebende Verwandte ist. Somit ist sie auch dafür zuständig, die Beerdigung zu planen und den Nachlass zu regeln. Anne reist also nach Innsbruck und auf der Suche nach einem Testament findet sie unter dem Bett ihrer Großmutter 13 Schulhefte, bei denen es sich um die Tagebücher von Charlotte handelt. Auf den handschriftlich eng beschriebenen Seiten hielt Charlotte die Zeit fest, in der sie sich selbst in der Nervenheilanstalt Schattwald befand und daraus geht hervor, welche wichtige Rolle sie dort nach kurzer Zeit spielte.

Als 2 der Tagebücher verschwinden, glaubt Anne noch daran, dass die Nachbarin sie sich ohne zu fragen ausgeliehen hat. Dann trifft sie den Gehirnforscher wieder, den sie im Zug nach Innsbruck kennengelernt hatte und langsam kristallisiert sich heraus, dass die Geschehnisse in Schattwald auch heute noch Auswirkungen haben.

Anne wohnt im Haus ihrer Großmutter, ist sie in Gefahr?


Vor wenigen Wochen habe ich einen Roman gelesen, welcher sich mit den Geschehnissen in einer Heil- und Pflegeanstalt zu Zeiten des Nationalsozialismus beschäftigte. Nachdem ich das Buch beendet hatte, fiel mir ein, dass ich noch ein Buch haben müsste, das sich ebenso mit dieser Zeit der Deutschen Geschichte befasst. Mein Stapel ungelesener Bücher ist Gott sei Dank nicht sehr groß und so fand ich „Schattwald“ ziemlich schnell. Leider blieb das Buch dann hinter meinen Erwartungen zurück.

Scheinbar ist „Journalistin bei einer Frauenzeitschrift“ der TOP-Beruf für Protagonistinnen, denn auch die 46jährige Anne geht diesem Beruf nach. Zudem hat sie gerade eine gescheiterte Ehe hinter sich. Für die Geschichte selbst ist das nicht wichtig, nur für den Umstand, dass Anne jeden Mann, den sie im Rahmen dieser Geschichte kennen lernt, als potentiellen Partner beleuchtet.

Die Geschichte spielt auf 2 Zeitebenen: In der Gegenwart und im Jahr 1943, in einem Privatsanatorium in den Alpen. Bücher mit Bezug auf reale Geschehnisse, gerade im Zusammenhang mit der Geschichte Deutschlands, faszinieren mich sehr – aber nicht, weil ich sensationslüstern bin, sondern weil ich diesen dunklen Teil unserer Vergangenheit nicht verstehen kann, egal wie viel ich davon höre/sehe/lese. Es ist für mich unvorstellbar, dass Menschen so mit Menschen umgegangen sind nur, weil sie „anders“ waren. Aber aktuelle Geschehnisse zeigen, dass wir uns heute irgendwie wieder in diese Richtung – in die falsche Richtung – bewegen.

Die Story ist vorhersehbar, das weiß ich aber schon, wenn ich dieses Buch zur Hand nehme. In der Gegenwart erzählt Anne aus ihrer Sicht, in der Vergangenheit lesen wir die Geschehnisse aus Charlottes Tagebüchern, ebenfalls in der Ich-Form.

Anne versucht mehrere Dinge gleichzeitig unter einen Hut zu bringen. Sie organisiert die Beerdigung, sie unterhält sich mit den Nachbarn/Freundinnen ihrer Großmutter, um mehr über Charlotte herauszufinden, trifft sich mit einem Historiker und einem Gehirnforscher, den sie auf ihrer Fahrt nach Innsbruck im Zug kennengelernt hat und sie verbringt Stunden damit, die Tagebücher zu lesen. Bei all dem was sie tut,bleibt sie mir fremd. Anne ist kühl/kalt und ich kann leider mit ihr nichts anfangen.

Charlotte ist nicht besser greifbar für mich, ihre Geschichte interessiert mich aber mehr als die von Anne, deswegen hat sie eher meine Sympathie. Charlotte beschreibt, wie sie ins Sanatorium kam, wie sie dort aufgenommen wurde und das Zusammenleben mit ihrer Zimmernachbarin (die später noch eine wichtige Rolle bekommen wird). Sie erzählt von den schlimmen Dingen, die dort passiert sind, aber Charlotte ist nicht einfach eine Patientin in einer Nervenheilanstalt, sie erhält in einer geheimen Gruppe eine wichtige Aufgabe, wenn nicht die Wichtigste.

Auch in der Vergangenheitserzählung konnte die Autorin mich leider nicht ganz überzeugen, denn das, was damals passiert ist, war in Wirklichkeit an Schrecklichkeit nicht zu überbieten, im Buch fehlte mir jedoch ganz oft diese Dramatik. Für Ärzte und Schwestern war es lebensgefährlich, sich nicht an Anordnungen „von oben“ zu halten, für Patienten war es lebensgefährlich, weil mit ihnen Dinge angestellt wurden, die dem ähneln, was in Versuchslaboren mit Tieren angestellt wird und Menschen die anders waren, wurden damals schlichtweg euthanasiert und beseitigt. Diese Umstände werden im Buch leider nur angerissen, nicht aber wirklich vertieft.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm und flüssig zu lesen und die Erzählung aus der Sicht von Anne und Charlotte bringt den Leser nah an die Personen ran.

Der Schluss der Geschichte enthielt meiner Meinung nach dann wiederum zu viel Drama und Anne hätte auf ihr Bauchgefühl hören sollen. Leider hat sie dieses viel zu oft ignoriert.

Das Buch hat mich für ein paar Stunden unterhalten, aber leider nicht nachhaltig beeindruckt.

[LtaM] Buch mit mehr als 300 Seiten – 2,00 €

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