Die Smartphone-Epidemie (Manfred Spitzer)

Mehr Smartphone – weniger Empathie

Ich habe dieses Buch nicht gelesen, um mich über die Gefahren zu informieren, die von Smartphone & Co ausgehen, sondern ich habe dieses Buch gelesen um herauszufinden, ob ich mit meiner Meinung bezüglich der heutigen exzessiven Nutzung von Smartphone & Co. alleine stehe. Leider bestätigt der Autor Manfred Spitzer meine Befürchtungen und übertrifft sie bei weitem noch.


„Die Smartphone-Epidemie: Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft“ beschäftigt sich mit den Auswirkungen durch zunehmende und sucht-artige Nutzung von Internet & Co. durch die „Generation Smartphone“.

Es gibt mehr Smartphones als Menschen auf der Erde und dieses Gerät verändert seit 10 Jahren unser Leben stetig und grundlegend. Leider nicht im positiven Sinne, sondern zunehmend auf negative Art und Weise. Natürlich geht es nicht um das Smartphone selbst, sondern um die damit verbundene Nutzung von Social Media wie WhatsApp, Facebook, YouTube, Instagram & Co. und allen nur erdenklichen Apps, die dem Nutzer das Leben erleichtern sollen.

Smartphone:
Es mag Dich näher an die Leute bringen, die weit weg von Dir sind. Aber es bringt Dich auch weiter von den Menschen weg, die neben Dir sitzen.

Vor ca. 25 Jahren schauten die Menschen durchschnittlich nur 2 – 3 Stunden TV. Schon damals wurde durch Langzeitstudien ermittelt, dass dieses Verhalten negative Auswirkungen nach sich zieht: Je mehr Stunden Kinder/Jugendliche vor dem TV verbrachten, desto eher litten sie später an Übergewicht, hatten einen niedrigeren Bildungsstand und je niedriger der Bildungsstand, desto höher die Bereitschaft zur Aggression. Im Vergleich dazu schaut heute die Hälfte aller Smartphone-Benutzer mehr als 5 Stunden am Tag auf den Bildschirm. Wer denkt da jetzt ernsthaft, dass das keinerlei negative Auswirkungen haben kann?

Als Beispiel: In Verbindung mit dem Smartphone haben sich auf dem psychologischen Sektor neue Ängste entwickelt: Die Fomo-Phobie und die Nomo-Phobie.

* Fomo: Fear of missing out (die Angst davor, etwas zu verpassen)
* Nomo: No more Phone phobia (die Angst davor, nicht erreichbar zu sein)

Ebenso nehmen Aufmerksamkeitsstörungen, Angst, Sucht, Depressionen und Demenz rapide zu, wohingegen Bildung, Empathie und Sozialverhalten rapide abnehmen. Je größer die Smartphone-Sucht (5 oder mehr Online-Stunden pro Tag), desto weniger Kontakt zu realen Personen wie Freunden und Familie.

Der Autor hat sein Buch in 15 Kapitel aufgeteilt und in jedem Kapitel finden sich erschreckende Wahrheiten darüber, wie sich mit zunehmender Smartphone-Nutzung unsere Gesellschaft verändert hat und noch verändern wird, was Phantom-Vibrationen sind und warum online-sein junge Menschen in Wirklichkeit einsam und depressiv macht (bis hin zum Suizid) und sich eben nicht alle 11 Minuten ein Single verliebt.

Die Kapitel lassen sich unabhängig voneinander und in beliebiger Reihenfolge lesen, das Buch enthält aber auch einiges an wissenschaftlichen Aussagen, weswegen man es nicht wie einen Roman einfach so runterlesen kann.

Ich empfinde es zunehmend als erschreckend, in welchem Alter heutzutage Kinder ein Smartphone/Tablet zur Berieselung vorgehalten bekommen und manche von ihnen weit besser auf einem Bildschirm wischen als sprechen können. Ebenso erschreckend finde ich, wie einfach es für Kinder/Jugendliche ist, Zugang zu jugendgefährdenden Seiten zu erhalten – auf manchen Seiten mit fragwürdigem Inhalt muss man einfach einen „Ja, ich bin über 18-Jahre alt“-Button wegklicken um sich durch Seiten voller pornografischer Inhalte klicken zu können und auch Online-Spielcasinos geben sich oftmals mit der Angabe von Geburtsdaten zufrieden, die man ja durchaus auch manipulieren kann. Online-Sucht wird, meiner Meinung nach, vollkommen unterschätzt und ist auf dem Vormarsch. Ein nicht zu verachtender Aspekt von rund-um-die-Uhr-Internet schon für Schulkinder, die ohne Smartphone natürlich das elterliche Haus nicht verlassen.

Hoffentlich finden wir in Deutschland noch einen Weg unserer Jugend den richtigen Weg zu weisen, bevor wir – wie in Tel Aviv – Lichtampeln für „Smombies“ (Smartphone-Zombies) an Kreuzungen auf dem Boden installieren, damit sie nicht auf-ihr-Smartphone-starrend vor ein Auto laufen.

Hier sind – meiner Meinung nach – am meisten die Eltern gefragt, ihren Kindern den dosierten und sachgemäßgen Umgang mit diesem Medium beizubringen. Leider (be)nutzen viele Eltern dieses Medium gleichsam als Babysitter.

Manfred Spitzer beleuchtet die immer weiter fortschreitende Digitalisierung und die damit in Zusammenhang stehenden negativen Seiten sehr eingehend und bringt erschreckende Wahrheiten ans Licht – leider wird das Buch wahrscheinlich nur diejenigen erreichen, die noch nicht allzu sehr in diesem Sumpf stecken. Welcher Süchtige möchte denn schon hören/lesen, dass er süchtig ist?

Auch ich (53) benutze ein Smartphone und habe einen Facebook- und Instagram-Account. Aber wie sagte schon Paracelsus (1493 – 1541): „Die Dosis macht das Gift“.

[LtaM] Buch mit mehr als 300 Seiten – 2,00 €

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3 Antworten zu Die Smartphone-Epidemie (Manfred Spitzer)

  1. Rina schreibt:

    Die Dosis macht das Gift – genau so ist es – Ich finde es auch erschreckend, wenn ich mich mal umgucke – Ohne Smartphone geht gar nichts – gut, wenn ich irgendwo warten muss, zücke ich es auch oft – aber manchmal zwinge ich es wieder in die Tasche um mich umzugucken. Die Vibrationsalarme für Nachrichten – ausser SMS und Whatsapp, hab ich ausgeschaltet, weil mich das so nervte, dass ständig irgendwas gebimmelt und gezuckt hat. Whatsapp und Co nutze ich nicht so oft – sonst würde ich das auch irgendwann mal Zeitlich schliessen.

    Ich kann mich nicht ganz freischreiben von der Sucht – aber ich komme auch ganz gut mal paar Stunden ohne aus. Wo wir wieder bei der Dosis wären.

    LG

    Gefällt 1 Person

    • Babsi schreibt:

      Wie gesagt – ich nutze es auch, aber eben mit Maß und Ziel. Ich zücke auch das Handy, wenn ich irgendwo Wartezeiten überbrücken muss (und ich kein Buch dabei habe). In WhatsApp habe ich viele Chats stumm geschaltet, ich bekomme also gar keine Benachrichtigungen, weil es nicht wichtig ist (Hundeverein etc.). Ich könnte gut ein paar Tage drauf verzichten.

      Gefällt 1 Person

      • Rina schreibt:

        Genau. Whatsapp bekomme ich ganz wenig – sind vielleicht 4 aktive Personen und da bekomme ich meist nur Nachrichten zu den Feiertagen, oder Geburtstag – manchmal kommt ein kleiner Chat zustande, das war es dann.

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