Die Stille meiner Worte (Ava Reed)

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Ueberreuter Verlag; Auflage: 2 (9. März 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3764170794
ISBN-13: 978-3764170790
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 15 Jahre

Klappentext:

Hannah hat ihre Worte verloren. In der Nacht, als ihre Zwillingsschwester Izzy ums Leben kam. Wer soll nun ihre Gedanken weiterdenken, ihre Sätze beenden und ihr Lachen vervollständigen? Niemand kann das. Egal, was Hannahs Eltern versuchen, sie schweigt. 
Um Izzy nicht loslassen zu müssen, schreibt sie ihr Briefe. Schreibt und verbrennt sie. Immer wieder.
Hannah kann der Stille ihrer Worte nicht entkommen. Bis sie Levi trifft, der mit aller Macht versucht herauszufinden, wer sie wirklich ist …

Wenn Du still bist, verstehen Dich nur Menschen, die Dich fühlen

In der Nacht, in der ihre Schwester Izzy gestorben ist, hat die 17jährige Hannah ihre Sprache verloren. Hannah ist zutiefst traurig und verstört, sie fühlt sich unvollständig ohne ihre Schwester und schuldig an deren Tod. Ihre Eltern, selbst in ihrer Trauer gefangen, können Hannah nicht helfen. Im Gegenteil, sie können nicht einmal sich selbst helfen und deswegen schicken sie ihre Tochter in ein Sommercamp, das vom Internat St. Anna, einem Internat für traumatisierte Jugendliche, durchgeführt wird. Dort lernt sie u. a. Levi kennen, für den es das letzte Sommercamp sein wird, denn er wird St. Anna verlassen. Schafft Levi es, dass Hannah ihre Sprache wiederfindet?

Auf die Leserunde zu diesem Buch „Die Stille meiner Worte“ habe ich mich seit Wochen gefreut. Der Klappentext und diverse Rezensionen, die ich über Facebook & Co. gelesen habe, versprachen ein sehr emotionales Buch …. ich wurde nicht enttäuscht.


Izzy, Hannahs Schwester, ist bei einem tragischen Unglück gestorben. Warum, wieso, weshalb, das offenbart sich dem Leser erst ziemlich weit hinten im Buch. Fakt ist jedoch, dass Hannah sich am Tod ihrer Schwester die Schuld gibt und sie in der schrecklichen Nacht, die Nacht in der Izzy nicht gerettet werden konnte, ihre Sprache verliert. Diesen Zustand des nicht-Sprechen-könnens gibt es tatsächlich, er nennt sich Mutismus.

Hannah bräuchte in ihrem Zustand den Trost und den Halt ihrer Eltern, doch diese sind mit der Situation, mit Hannah und mit sich selbst überfordert. Deswegen beschließen sie, dass es das Beste ist, wenn Hannah eine Zeit lang ein Internat besucht. Bevor das Schuljahr beginnt, steht jedoch das alljährliche 3wöchige Sommercamp an. Und so fährt Hannah mit ihren zukünftigen MitschülerInnen in ein Zeltlager am See.

Ich muss gestehen, dass ich mich über Hannahs Eltern aufgeregt habe. Zum einen ist Hannah 17 Jahre alt und eigentlich ist das ein Alter, in dem die Eltern nicht mehr über ihren Kopf hinweg entscheiden sollten und zum anderen kann ich nicht verstehen, wie man nach dem Verlust des einen Kindes das andere Kind einfach so wegschicken kann. Aber es gibt da ja den schönen Spruch, dass man eine Zeit lang in den Schuhen des Anderen gehen soll, um dessen Tun und Handeln zu verstehen.

Das war jetzt auch schon die Überleitung zum Thema „Sprüche und Lebensweisheiten“. Das Buch ist voll davon. Jedes Kapitel wird von einem Spruch eingeleitet und Hannahs Gedanken sind ganz oft tiefsinnig. Für mich drücken diese bildhaften Aussagen etwas aus, was man meiner Meinung nach manchmal gar nicht auf andere Art und Weise beschreiben kann.

„Es ist diese Art von Schmerz, die so stark ist, dass man ihn nicht mehr zeigen kann, weil er eine Grenze überschritten hat. Die Art, die man nicht herauslassen kann, weil jeder Schrei, jedes Wort und jede Träne zu wenig wären für ihn.“ (Seite 11)

Man kann diese Sprüche lieben, sie können einen aber auch erschlagen. Die ersten Kapitel sind ziemlich dicht gespickt, nach hinten weg wird es weniger. Mir persönlich war es nicht zu viel, denn ich liebe solche Sprüche. In der Leserunde gab es dazu aber auch anderslautende Meinungen.

In den ersten Kapiteln kann ich noch keinen wirklichen Zugang zu Hannah finden. Ich lese ihre Geschichte, aber ich kann sie nicht fühlen. Das ändert sich jedoch als Hannah in diesem Camp angekommen ist. Sie ist dort nichts besonderes, alle Jugendlichen in diesem Camp schleppen ihre eigenen Dämonen mit sich herum. Hannah nennt dieses Camp den „Ort der kaputten Dinge“.

Neben den Betreuerinnen Jana und Pia lernen wir auch Levi, Sarah und Lina kennen. Die anderen Jugendlichen werden zwar teilweise erwähnt, sind aber nicht von großer Bedeutung. Außerhalb des Camps ist neben den Eltern von Hannah auch Ben eine wichtige Person. Er verbreitet Wärme und Vertrauen, das kann ich beim Lesen deutlich spüren.

Hannah schreibt ihrer Schwester Izzy immer wieder Briefe, die sie anschließend verbrennt – in der Hoffnung, dass der Inhalt des Briefes ihre Schwester auf diese Art erreicht. Die Briefe enthalten immer irgendwelche Andeutungen darauf was passiert ist, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Sie zeigen aber auch die Schuldgefühle von Hannah und man möchte gerne wissen, was denn in dieser Nacht passiert ist. Es gibt keinen großartigen Spannungsaufbau ….. die Geschichte trägt sich einfach selbst, bis zum Schluss die Auflösung präsentiert wird.

Die Beziehung zwischen Hannah und Levi entwickelt sich eher zufällig als geplant, da beide den gleichen „Lieblingsplatz“ am See haben. Anfangs weicht Hannah noch verschreckt zurück, wenn Levi sie anspricht. Nach einem gemeinsamen Erlebnis bricht das Eis jedoch langsam und Levi schafft es, an Hannah heran zu kommen. Kater Mo, den Hannah unerlaubterweise ins Camp mit eingeschleust hat, trägt seinen Teil dazu bei, dass die 2 miteinander kommunizieren (reden kann Hannah ja nicht).

Die Autorin Ava Reed hat es geschafft, zwischen Hannah und Levi eine Vertrauensbasis zu schaffen, ohne die Beiden zum Liebespaar werden zu lassen. Diese Entwicklung hätte nicht wirklich zur Geschichte gepasst. Da sind 2 junge Menschen, die sich einfach gut tun. Punkt. Sie wachsen gemeinsam an ihrer Vergangenheit aber sie sind noch lange nicht geheilt.

„Weil sie nicht wissen, wie es ist, wenn man nicht aufgefangen werden will und unter einem das Netz gespannt wird, und weil sie nicht wissen, wie es ist, wenn man aufgefangen werden will, aber einfach weiterfällt. Weil ich einfach manchmal nicht okay sein möchte, weil auch das einfach mal okay ist.“ (Seite 247)

Es gibt einige kleine Szenen, die im richtigen Leben so nie passieren dürften, weil die Betreuer im Camp damit ihre Aufsichts- und Fürsorgepflicht vernachlässigen würden. Für den Fortgang der Geschichte waren diese Szenen aber gerade so notwendig wie sie geschildert wurden, weswegen ich das der künstlerischen Freiheit der Autorin zugerechnet habe.

Der Schreibstil von Ava Reed ist sehr angenehm zu lesen. Für die Erzählung hat sie die Ich-Perspektive gewählt, so dass der Leser immer dicht an den Gedanken der Protagonisten ist. Das Buch ist in 43 Kapitel eingeteilt und diese werden mal von Hannah und mal von Levi erzählt. Das Ende des Buches ist in sich stimmig und es bleiben keine Fragen offen.

Für mich hatte das Buch genau den Sog, den ich mir davon versprochen hatte und ganz sicher werde ich mir die anderen Bücher von Ava Reed genauer anschauen.

[LtaM] Buch mit mehr als 300 Seiten – 2,00 €


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