Der Tanz unseres Lebens (Noa C. Walker)

Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Tinte & Feder (28. November 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 1542048516
ISBN-13: 978-1542048514
Preis: 9,99 €

Klappentext:

Als Florence durch das Eis bricht und in das kalte Wasser des Bergsees sinkt, hätte es der letzte Tag im Leben der Musicaldarstellerin sein können. Doch der junge Arzt Martin holt sie zurück ans Ufer. Es ist der Beginn einer Liebesgeschichte, umgeben von den Schicksalen, Wünschen und Geheimnissen einer Dorfgemeinschaft in den Bergen der französischen Schweiz. Dort leben auch Zoé, das kleine Mädchen, um das sich Florence liebevoll kümmert, und dessen Mutter Claire, deren Hoffnungen auf ein eigenes Hotel scheiterten.

Zwischen Martin und Florence liegt ein unausgesprochenes Geheimnis, das in ihre persönliche Vergangenheit zurückreicht. Noch kennt er nicht den wahren Grund für ihren Tanz auf dem Eis, und sie weiß nichts von seinem schweren Schicksal.

Der Tanz unseres Lebens

Was tut man, wenn man mit Leib und Seele Tänzerin ist und das Leben wirft einen aus der Bahn? Man tanzt …..

Florence hat gerade erfahren, dass ihr großer Traum – Musicaldarstellerin am Broadway in New York zu werden – geplatzt ist. Hals über Kopf flüchtet sie aus Paris und landet in einem kleinen Dorf in der Romandie*. Dort tanzt sie eines Abends auf einem zugefrorenen See und bei einem besonders gewagten Sprung bricht sie durch die Eisdecke ein. Glücklicherweise hatte sie bei ihrer Tanzeinlage einen heimlichen Beobachter, der sie umgehend aus ihrer lebensgefährlichen Lage befreit. Da Florence sich vehement weigert in ein Krankenhaus zu gehen, bringt Martin sie zu seiner Vermieterin Claire. Zwischen Claire, ihrer Tochter Zoe und Florence stimmt die Chemie auf Anhieb und so fragt Claire sie, ob sie sich vorstellen könnte als Kindermädchen für sie zu arbeiten, da Zoe an Trisomie 21 (Down-Syndrom) leidet.

Martin ist eigentlich Kinderkardiologe. Nach einem überaus ehrgeizigen Aufstieg auf der Karriereleiter folgte der Absturz durch den Tod eines seiner kleinen Patienten und so zog er sich in die Romandie zurück, um wieder zu sich selbst zu finden. Er hat dort eine kleine Praxis eröffnet in der er als Kinderarzt tätig ist.

Nachdem fest stand, dass ihr noch ungeborenes Kind am Down-Syndrom leidet, wurde Claire von ihrem Mann verlassen – noch bevor Zoe das Licht der Welt erblickte. Aus der Traum vom eigenen Hotel. Statt dessen kümmert sich Claire alleine um ihre Töchter Lysann, die eine Karriere als Skiläuferin anstrebt, und Zoe, die aufgrund ihrer Erkrankung nicht immer ganz einfach zu handhaben ist, und verdient ihr Geld als Angestellte in einem Hotel.

Als sich die Wege von Florence, Claire, Zoe, Lysann und Martin treffen wissen sie noch nicht, dass sie etwas gefunden haben, was sie nie nicht gesucht haben.


„Der Tanz unseres Lebens“ ist das 3. Buch, das ich von Noa C. Walker lese und wieder einmal hat mich die von der Autorin erschaffene Geschichte zutiefst berührt. Ihre Charaktere haben Tiefgang und Persönlichkeit und zusammen mit dem überaus schönen Schreibstil, findet man hier als Leser ein absolutes Wohlfühlbuch.

Dass es zwischen Florence und Martin irgendwann funken wird, das ist sicher. Aber die Liebesgeschichte zwischen den Beiden steht nicht im Vordergrund sondern wird langsam mit der Geschichte verwoben, denn zuerst einmal muss Florence genesen. Nicht von einer Krankheit, sondern von etwas, was ihrem Körper aber vor allem ihrer Seele angetan wurde. Und bei dieser Genesung helfen ihr Martin, Claire, Zoe und auch Lysann – jeder auf seine Art. Hier sollte aber auch „der Einsiedler“ nicht vergessen werden, denn auch er hat eine wichtige Rolle.

Zoe wird charakterlich hervorragend dargestellt. Aufgrund ihrer Krankheit ist sie nicht immer einfach zu handhaben, hat einen wesentlich höheren Betreuungsbedarf als normale Kinder, ist schonungslos offen und ehrlich (was wahrlich nicht immer gut ankommt) und hat die Angewohnheit besondere Situationen mit Zitaten zu untermalen. Ihre Sprüche sind sowohl herzerfrischend als auch nachdenklich und bis auf wenige Ausnahmen sind sie immer der Situation angemessen. Ich stelle mir Zoe als liebenswertes Geschöpf vor.

Auch Martin ist sehr sympathisch beschrieben. Wobei er erfrischenderweise nicht als besonders gutaussehender athlethischer Typ mit unvermeidbarem Sixpack beschrieben wird, sondern als normalsterblicher Mann mit Fehlern, Ecken und Kanten.

Claire schafft den Spagat zwischen Mutterschaft und Arbeitskraft – nicht immer leicht, aber sie schafft es. Eigentlich ist ja Zoe diejenige, die den erhöhten Betreuungsbedarf hat, aber das Schicksal von Lysann bringt Claire an ihre Grenze und darüber hinaus. Über ihren Ex-Mann verliere ich hier keine Worte …. das muss man einfach selbst gelesen haben.

Gerade an der Person von Lysann zeigt die Autorin, dass nicht alles im Leben ein Happy End haben kann. Wer nah am Wasser gebaut hat, sollte hier Taschentücher bereitlegen.

Sehr gut gefallen mir die immer wieder mal eingestreuten …wie soll ich sie nennen …. Sprüche? Weisheiten?

„War Glück vielleicht die Summe der aus der Bedeutungslosigkeit hervorgehobenen wundervollen Momente eines jeden einzelnen Tages?“

oder

„Ich habe schon seit 9 Monaten ein Kind. Und ebenso lange bin ich eine Mutter ….“

Das geht Florence durch den Kopf, als sie im Kreißsaal liegt und die Hebamme ihr sagt, dass sie pressen solle um das Kind zu bekommen und Mutter zu werden. Und wahrlich, das ist so. Mutter wird man ja nicht erst am Ende der Schwangerschaft, wenn das Kind das Licht der Welt erblickt.

Ebenso stimmig wie die Charaktere wird auch die Landschaft beschrieben. Ich würde mich gerne im Sommer an diesen See setzen und die Ruhe genießen – vielleicht käme dann ja auch gerade zufällig das lästernde Dreigestirn vorbei.

Um nun aber zum Punkt zu kommen – „Der Tanz unseres Lebens“ ist ein wundervolles Buch mit ganz viel Tiefgang, einer schönen Liebesgeschichte und wundervollen Zitaten. Von Anfang bis Ende harmonisch und einfach nur schön.

*Romandie = Bezeichnung für die französischsprachigen Gebiete der Schweiz

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