Anatomie einer Absicht (Ana Bilic)

Anatomie

Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
Verlag: HOLLITZER Verlag (16. März 2016)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3990122940
ISBN-13: 978-3990122945
Preis: EUR 16,90

Klappentext:

Wie verträgt sich Liebe auf Dauer?
Eine Ehe ist ein Vertrag, und eines Tages kommt die Abrechnung.
Eine Frau beschließt nach vierzehn Jahren des Zusammenlebens ihren Ehemann zu töten. Es gibt dafür keinen konkreten Anlass oder Grund, vielmehr ist dieses Vorhaben ihre Konsequenz seiner verachtenswerten Logik von Beziehung.
Mit kühlem Blick schildert die Ich-Erzählerin Gestalt, Lage und Struktur ihrer Absicht, seziert nüchtern den Verlauf ihrer Ehe. Es ist die über die Jahre unerträglich gewordene Sinnlosigkeit seines Lebens, die sie nun, da es aus ihrer Sicht jeglichen Wert eingebüßt hat, in die Tat umsetzen will. Doch letztlich dirigiert der Zufall des Lebens Orchester und schlägt seinen eigenen Ton an.

Rezension_sonne-4

Ein angekündigter Mord

Ich habe das Buch „Anatomie einer Absicht“ im Rahmen einer Blogtour gelesen. Mein Beitrag zum Thema „Giftmorde“ könnt Ihr finden, wenn Ihr diesem Link folgt.

Eine Inhaltszusammenfassung aus meiner Sicht macht nicht viel Sinn, denn Lidia bringt es im 1. Satz des Buches schon auf den Punkt.

Ich beschloss meinen Mann umzubringen. Ja. Zu liquidieren. Von der Erdoberfläche zu entfernen.

Mehr gibt es dazu zusammenfassend nicht zu sagen.


Das Buch ist in 5 Teile unterteilt. In jedem Teil kommt eine andere Person zu Wort, um bestimmte Vorkommnisse aus ihrer Sicht zu beschreiben. So lesen wir im 1. Teil von Lidia, im 2. Teil von Helmut, in Teil 3 werden wir Zeuge eines Gespräches vor einem Lokal, in Teil 4 kommt Freund Joseph zu Wort und im 5. Teil Lidias Tante Lubja.

Irgendwie war ich erstaunt, ein Buch vorzufinden, in welchem der Leser nicht einer fortlaufenden Geschichte folgt und im Verlaufe ebendieser Zeuge eines „Mordes“ wird, sondern einer Art Ehe-Protokoll aus verschiedenen Perspektiven. Der Teil von Lidia nimmt jedoch bis auf Seite 60 den weitaus größten Raum innerhalb des Buches ein.

Als ich auf den ersten Seiten an Lidias Gedanken Anteil nehmen konnte, dachte ich mir „Ok, diesen Kerl würde ich auch umbringen, ohne mit der Wimper zu zucken“. Helmut ist 20 Jahre älter als Lidia und hat andere Ansichten zu und über ihre Ehe als Lidia. Für ihn gilt in der Ehe die klassische Rollenverteilung und irgendwie glaubt er auch, dass seine Frau für alle anderen Dinge, wie z. B. einen Beruf als Übersetzerin auszuüben etc., viel zu doof ist.

Er spricht mit seiner Frau auf eine Art und Weise, die extrem herabwürdigend ist.

„Du weißt ja selber nicht, was Du willst!. Du weißt nicht einmal das zu schätzen, was Du hast. Ich kann schon nachvollziehen, dass das Gras auf der anderen Seite immer grüner scheint, aber du laberst über ein Land, welches nicht existiert. Du bist undankbar, töricht, und, verzeih mir den Ausdruck, abscheulich.“

Würde ich so mit mir reden lassen? Nein, garantiert nicht.

Als Lidia – mal wieder – in einer ihrer depressiven Phasen gerutscht ist, saß Helmut manchmal an ihrem Bett und sah sie einfach nur an, ohne mit ihr zu sprechen. Lidias Gedanken zu diesen Momenten lauten

„Damals dachte ich, was für ein Monster mein Mann sei. Er tat tagelang nichts. Er beobachtete mich wie ein krepierendes Tier. Er studierte mich wie ein verfehltes Experiment. Der Gedanke, dass ich mit einem solchen Mann verheiratet war, lies mich erkalten.“

Wenn man dann wiederum die Seiten liest, in denen Helmut zu Wort kommt, dann kann man durchaus auch für ihn ein gewisses Maß an Sympathie aufbringen. Er sagt, dass Lidia jemanden brauchte der ihr die Welt erklärt, damals, als sie sich kennengelernt haben. Sie war weltfremd, jemand musste ihr die Wahrheit sagen, sie aus ihrem Traum wachrütteln. Er sagt aber auch durchaus, dass seine Frau spinnt und eigentlich therapeutischer Hilfe bedarf, er ihr aber nicht sagen kann, dass sie spinnt, weil das in seinen Augen kontraproduktiv wäre.

Liebe zum und Respekt vor dem Partner kann ich hier auf beiden Seiten keine finden. Über Seiten hinweg werden hier die negativen Aspekte ihres Zusammenlebens aufgezeigt.

Schade finde ich, dass sich für mich die ganze Geschichte genau so kalt und emotionslos liest, wie das Verhalten zwischen den Eheleuten ist. Letztendlich kann ich weder zu Lidia noch zu Helmut eine Beziehung aufbauen und ob Lidia ihren Helmut um die Ecke bringt oder nicht, macht für mich als Leser keinen Unterschied weil mir die Charaktere nicht ans Herz wachsen.

Ich weiß, dass es sich bei den nachfolgenden Sätzen um einen Dialog handelt, aber die Art und Weise, wie es aufgeschrieben ist, macht mich kirre.

– … Helmut? … Helmut Gruber?..
– … Ja?
– Hallo, Helmut! … Das ist aber eine Überraschung! …
– … Es tut mir leid, aber ich …
– Ich bin es, Gerhard … Aus dem Gymnasium, die zweite Bank beim Fenster …

In allen Teilen des Buches sind einzelne Passagen so dargestellt und das regte mich von Anfang an auf. Der komplette 3. Teil „Vor dem Lokal“ ist mit Punkten und Strichen gepflastert. Jeder Satz fängt mit einem – an und endet mit … und die meisten Sätze sind extrem kurz. Es hat mich wirklich viele Nerven gekostet das zu lesen.

Lesefluss und somit Lesegenuss konnte sich leider bei mir nicht einstellen und ich war tatsächlich einfach nur heilfroh, dass ich dieses Buch nach 158 Seiten beenden durfte.

Wie bei jeder Buchbesprechung, gebe ich mit dieser Rezension nur meine eigene Meinung wider. Vielleicht gefällt Dir das Buch ja gerade wegen der kurzen und knappen Sätze, vielleicht regen Dich Punkte und Striche im Satzbau weniger auf als mich. Und deswegen gibt es auch hier von mir die Empfehlung, dieses Buch am besten selbst zu lesen um es beurteilen zu können.

2_verkleinert Berner

Challenges_flowerStadt-Land-Challenge: Österreich
Sparstrumpf-Challenge: Buch bis 300 Seiten ~ 1,00 €
Deutsche Autoren-Challenge: Bilic, Ana

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2 Antworten zu Anatomie einer Absicht (Ana Bilic)

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