[Blog-Tour] Hinter den Kulissen – „Wind von Westen“ (Cordula Broicher)

Blogtour Wind von Westen

Guten Morgen lieber Leser und herzlich willkommen auf meinem Blog.

Gestern waren wir zu Besuch bei Ulla die sich mit den im Buch befindlichen Begriffen der damaligen Zeit auseinandergesetzt hat.

Ich darf heute zum 2. Mal auf dieser Tour die Autorin des Buches „Wind von Westen„, Cordula Broicher, herzlich willkommen heißen – sie hat mir ein paar Fragen zur Recherche und der Entstehung des Buches beantwortet.

Hallo Cordula, ich freue mich, dass Du mir erneut ein wenig Deiner Zeit gewidmet hast.

Der Leser findet sich in Niederwesseling im Jahr 1793.
Geschichtlich befinden wir uns mitten in den Koalitionskriegen.
Die französische Armee hat das Rheinland besetzt, die Pächter der Höfe mussten neben ihren Zwangs-Abgaben noch die Alliierten mit Heu und Hafer versorgen und ganz sicher war das keine einfache Zeit damals zu leben.

WindvonWesten1
Topographische Karte des Landkreises Köln.
Hrsg. von der Königl. Regierung zu Cöln, 1862
Aus Uwe Schwarz, Köln und sein Umland in alten Karten
(mit einem Klick aufs Bild bekommt man eine größere Ansicht)

Agnes und Balthasar Broicher waren Deine Ur-Ur-Ur-Großeltern – sie basieren also auf realen Personen.

Wie bist Du bei der Recherche zu diesem Buch vorgegangen?

Als erstes habe ich mir „Kultur und Alltag in der frühen Neuzeit“, ein Werk in drei Bänden von Richard van Dülmen, gekauft, in dem geschildert wird, wie die Menschen in der frühen Neuzeit auf dem Land gelebt haben, wie in der Stadt und wie sie mit ihrer Religion umgegangen sind. Dazu gab es etliche Bücher über das Landleben im Allgemeinen wie auch im Speziellen. Das fing damit an, Listen zu studieren, wie die Ernten ausgefallen sind, was für Arbeitstechniken die Bauern in der damaligen Zeit hatten, welches Münzsystem es gab, wie viele Kinder in welchen Familien geboren wurden, welche Berufe es gab usw. Dabei habe ich festgestellt, dass es relativ wenig Informationen über das Bauerntum zu dieser Zeit gibt.

Besonders weitergeholfen hat mir deshalb eine Doktorarbeit (500 Seiten) über die Halfen im Kreis Jülich-Düren. Hier gab es zum Beispiel auch noch Infos darüber, was welche Lebensmittel oder Kleider zur damaligen Zeit in diesem Bereich kosteten, wie die Ernten ausfielen oder wie die Besitztümer waren.

Insgesamt werden es sicher an die dreißig Bücher gewesen sein, die ich zur Recherche herangezogen habe, etliche Informationen, die ich im Internet recherchiert habe, würden die Liste erheblich verlängern. Zudem war ich einige Male im Freilichtmuseum in Kommern, um noch besser in die Athmosphäre der damaligen Zeit eintauchen zu können. Hier war sehr gut zu sehen, wie dunkel die Häuser im Inneren waren, wie einfach – selbst zu dieser Zeit – zum Teil noch die Herdstätten waren und wie klein viele Höfe.

Du warst vermutlich auch öfter vor Ort in Niederwesseling für Deine Recherche.
Gibt es den Hof von Agnes und Balthasar heute noch?
Ist er eventuell sogar noch in Familienbesitz?

WindvonWesten

Lage der Höfe in Niederwesseling plus Sioniterhof in Oberwesseling
(mit einem Klick aufs Bild bekommt man eine größere Ansicht)

Du kannst heute noch erkennen, wie der Hof auf dem Grundstück gestanden hat, da es sich um ein Eckgrundstück handelte, das man heute noch gut einsehen kann.

Nein, Balthasar hat den Hof zwar 1818 gekauft, aber er ist im Laufe der Zeit verkauft worden. Als Balthasar im Jahr 1822 starb, war er im Besitz von drei Höfen, neben dem Wesselinger Kirchhof gehörte ihm ab 1812 auch der Dohmenhof in Godorf.

Im Buch ist Agnes‘ Bruder Paul zu den Franzosen übergelaufen. Durch seinen Einfluss bekam der Kirchhof eine französische Schutzpatrouille die sie vor Übergriffen beschützt hat. Gab es Paul wirklich und ist dieser Teil Deiner Geschichte so geschehen?

Nein, Paul ist eine fiktive Figur. Auch seine Geschichte habe ich mir ausgedacht.

Laut Archiv lebte zum Ende des 18. Jahrhunderts ein Bruder Agnes‘ mit ihr und Balthasar auf dem Hof. Der hieß tatsächlich Paul. Zu dem Zeitpunkt, als ich diese Information bekam, hatte ich jedoch schon einen großen Teil des Buchs geschrieben, da konnte ich die Namen nicht mehr ändern, da sie in meiner Fantasie ansonsten nicht mehr zu den agierenden Personen gepasst hätte. Oder kannst du dir vorstellen, dass Paul plötzlich Johann wäre 😉

Nein, das stelle ich mir tatsächlich eher kompliziert vor. 🙂

Die Menschen damals hatten ja nicht unbedingt ein langes Leben.
Wie alt wurden Agnes und Balthasar?

Agnes wurde vierundsiebzig und lebte bei ihrem Sohn Christian, der 1805 geboren wurde und später die Höfe übernahm. Balthasar starb 1822, kurz nach der Hochzeit seiner beiden Töchter Catharina und Elisabeth (1821). 53 Jahre war zur damaligen Zeit die durchschnittliche Lebenserwartung eines Bauern – wenn auch Balthasar eigentlich nicht zur durchschnittlichen bäuerlichen Schicht gehörte.

Ich stelle es mir nicht einfach vor einen Roman zu schreiben der vor über 200 Jahren angesiedelt ist. Man taucht ja auch in seine Figuren/Geschichte ein und möchte wahrscheinlich nicht permanent durch den normalen Alltag aus dem Schreibfluss herausgerissen werden.

Wie gestaltete sich Dein Schreiballtag zu „Wind von Westen“?

Oh, einen „Schreiballtag“ in dem Sinne habe ich nicht. Ich sitze also nicht jeden Morgen punkt acht vor meinem PC und beginne mit der Arbeit. Aber es ist so, dass mich die Figuren permanent begleiten, wenn ich richtig im Fluss bin. Szenen bilden sich in meinem Kopf heraus und ich setze mich erst an den PC, wenn ich weiß, dass ich genügend ungestörte Zeit habe, um die Szene zu schreiben – eben genau deshalb, weil ich beim Schreiben eintauchen will in die entsprechenden Lebensumstände meiner Protagonisten. Das funktioniert aber nicht, wenn ich zwischendurch ans Telefon muss oder einer meiner Lieben irgendwelche Fragen an mich stellt.

Das ist aber erst so, wenn ich voll in der Geschichte drin bin, wenn die Figuren leben, sie ein bestimmtes Umfeld haben. Davor liegen viele Stunden Recherchearbeit, zeitweise einfach über die Woche verteilt, wenn ich in Büchern lese. Sobald ich aber am PC sitze und mich durchs Netz wühle, brauche ich auch Zeit am Stück, da eine Info zur nächsten führt und wieder neue Ideen auftauchen, wonach ich auch noch suchen könnte.

WindvonWesten2„Wesselingen tuschen Bonn en Ceulen“ mit dem Kronenhof
Zeichnung C.S. Goll (1771)
Foto RBA (aus Wolfgang Drösser, Wesseling)
(mit einem Klick aufs Bild bekommt man eine größere Ansicht)

Wie viel Zeit ist vergangen zwischen dem Wunsch bzw. dem Gedanken dieses Buch schreiben zu wollen und der gedruckten Ausgabe in Deinen Händen?

Das kann ich nicht genau sagen. Ich habe mich mit der Ahnenforschung beschäftigt und stolperte über Balthasar und Agnes, deren Lebensdaten direkt meine Fantasie beflügelten, die sich in meinem Kopf festsetzten. Vom Beginn der Recherche bis zur Fertigstellung dauerte es ungefähr fünf Jahre.

Ich danke Dir von Herzen für die Beantwortung meiner Fragen liebe Cordula.
Solche Hintergrundinformationen bekommt man als Leser ja normalerweise nicht.

Morgen geht es weiter bei Christiane, die sich mit den Rechten der Frau um 1793 beschäftigt hat.

1. Platz ein Taschenbuch plus Postkarten und Lesezeichen
2. Platz ein Ebook und Postkarten zu den Büchern der Autorin
3. Platz ein Ebook und Lesezeichen zu den Büchern der Autorin

1. Preis Cordula

2. Preis Cordula

(der eBook-Reader ist nicht enthalten!!)

3. Preis Cordula

(der eBook-Reader ist nicht enthalten!!)

Folgende Aufgabe stellen wir an Euch:
Wir verstecken an unseren Tourtagen einzelne Buchstaben in den Beiträgen und heben diese hervor (in meinen Beiträgen sind die Buchstaben rot und fett markiert). Ihr verfolgt die ganze Tour und sammelt die Buchstaben, diese ergeben dann den Lösungssatz, den ihr an folgende Adresse mailt bastelulla@gmail.com

Dazu habt Ihr Zeit bis zum 20.4.2015 um 18.00 Uhr.
Am 22.4. werden auf ALLEN Blogs die Gewinner bekannt gegeben.

Bitte beachtet, dass Teilnehmer mindestens 18 Jahre alt sein sollten und der Versand nur innerhalb Deutschlands, Österreich und der Schweiz stattfindet.

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