Wind von Westen

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Taschenbuch: 364 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 2 (22. Januar 2015)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3738605916
ISBN-13: 978-3738605914
Preis: 11,99 €

Niederwesseling 1793. Agnes, die junge Halfin des Kirchhofs, ist nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes gezwungen, sich so bald wie möglich neu zu vermählen. Die Wahl ihres Vaters Jakob Frings fällt auf Balthasar Broicher, den fünften Sohn eines wohlhabenden Halfen aus dem benachbarten Godorf. Die Zeiten sind unruhig. Die Alliierten pressen die letzten Heu- und Haferrationen aus den Bauern heraus, von Westen droht der Einmarsch der französischen Revolutionsarmee. Der Kirchhof ist schon seit langem verschuldet, doch nun drohen Einquartierungen und Repressalien den Menschen im Dorf ihre Lebensgrundlage zu entziehen. Das sind jedoch keine Gedanken, mit denen sich Balthasar dieser Tage beschäftigt, schon seit Jahren heimlich in Agnes verliebt, sieht er sich endlich am Ziel seiner Träume. Doch am Hochzeitstag schaut er nur in feindselige Gesichter. Wird er sich gegen Jakob Frings‘ Tyrannei behaupten, und, vor allem, wird er das Herz seiner Frau erobern können?

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Niederwesseling 1793

Agnes (26), die junge Halfin des Kirchhofs in Niederwesseling, hat vor kurzem ihren Mann verloren. Um den Hof zu halten ist sie gezwungen einen neuen Mann zu heiraten, der in der Lage ist den Hof zu führen und die abgeschlossenen Pachtverträge einzuhalten. Damals waren Zweckehen an der Tagesordnung, es ging bei einer Ehe nicht um Liebe und Zuneigung sondern um das knallharte Leben. Deswegen bewarb man sich damals auf die Stelle als Ehemann und die Eltern bzw. der Vater der zukünftigen Braut suchte sich den Mann aus dessen Bewerbung am verheißungsvollsten war. Für uns in unserer heutigen Zeit eine unvorstellbare Vorgehensweise.

Balthasar (24) wächst auf dem Antoniterhof in Godorf auf. Als 5. Sohn hat er fast keine Chance auf dem Heimathof mehr zu werden als einfacher ein Knecht und da er insgeheim schon lange in Agnes verliebt ist, bewirbt er sich um die Stelle des Halfen auf dem Kirchhof.

Die Wahl des alten Jakob Frings fällt tatsächlich auf Balthasar und er wird Agnes Ehemann und neuer Halfe des Kirchhofs.

Hier beginnt die Geschichte des Kirchhofs in einer Zeit, in der es alles andere als leicht war einen Hof zu bewirtschaften. Die Französische Armee steht Gewehr bei Fuss um über den Rhein zu marschieren, auf den Feldern schlugen die Besatzer ihre Lager auf, die Höfe wurden mit Einquartierungen belastet und zu den üblichen Zwangsabgaben an die Verpächter der Halfenhöfe, mussten nun zusätzlich noch die Alliierten mit Heu und Hafer versorgt werden. Die Bewohner vieler Höfe konnten froh sein, wenn sie abends das Schwarze unter den Fingernägeln hatten.

Balthasar wird nicht von allen Hofbewohnern freundlich aufgenommen und der alte Frings regiert mit harter Hand. Erst als Balthasar sich gegen seinen Schwiegervater durchsetzt zollt man ihm nach und nach den Respekt, der ihm als „Vater“ des Hofes gebührt.

Im historischen Roman „Wind von Westen“ verarbeitet die Autorin Cordula Broicher ihre eigene Familiengeschichte. Balthasar Broicher und Agnes Frings sind ihre Ur-Ur-Ur-Großeltern.

Viele Personen und Geschehnisse sind tatsächlich aus dem echten Leben der Broichers, und genau so passiert, einiges ist aber auch fiktiv und dient nur dem Fluss der Erzählung. Zu den echten Personen und ihren persönlichen Daten gibt es im Anhang des Buches eine Übersicht. Ebenso findet der Leser eine topographische Gebietskarte von Cöln.

Ich kannte von Cordula Broicher bisher die beiden Spannungsromane „Die Zeit danach“ und „Feuerprobe“ aber sie kann sich auch auf dem Gebiet der historischen Romane durchaus mit anderen Autoren messen. Sie hat einen wirklich angenehmen Schreibstil, man fühlt sich direkt wohl in ihren Büchern und die Geschichte fließt ohne zu stocken über die Seiten. Auch wenn ein historischer Roman keine Spannungselemente im eigentlichen Sinne enthält, so schafft Cordula Broicher es den Leser über 364 Seiten bei der Stange zu halten.

Nach eigener Aussage denkt die Autorin über eine Fortsetzung der Geschichte von Balthasar nach. Zuerst einmal haben jedoch andere Projekte Vorrang. Der Schluss des Buches „Wind von Westen“ lässt jedoch Raum für eine Fortsetzung und sollte diese tatsächlich erscheinen, so werde ich sie gerne lesen.

Begriffserklärung Halfe (lt. Wikipedia)

Ein Halfe (auch HalbwinnerHalbmann oder Halberling) war ein Pächter mit besonderem Pachtvertrag. Dieser hatte einen bestimmten Anteil, zumeist die Hälfte, seines Ertrages an den Grundherrn abzuliefern.

Infolge der Auflösung der Villikationsverfassung gaben die Grundherren spätestens mit Beginn des 13. Jahrhunderts die Eigenbewirtschaftung ihrer Fronhöfe auf. Das naturalwirtschaftliche, auf Selbstversorgung ausgelegte System der mittelalterlichen Grundherrschaft hatte seit dem Aufblühen der städtischen Markt- und Geldwirtschaft zu sehr an Effizienz und Effektivität verloren.

Die mit der Veränderung des Agrarsystems verbundenen Auswirkungen fielen bezogen auf die Fronhöfe regional unterschiedlich aus. Während es in Südwestdeutschland zu einer fast völligen Aufteilung des alten Herrenlandes kam, wurden am Niederrhein und in der Kölner Bucht die Fronhöfe nur äußerst selten aufgelöst. Dort schlugen die Grundherren andere Wege ein, um ihre Existenzgrundlagen zu sichern: Sie verpachteten ihre Fronhöfe nebst Salland auf Zeit.

Die ursprüngliche Form der Verpachtung von Herrengütern war der Halbbau (Halbpacht). Dabei führte der Pächter die Hälfte seines landwirtschaftlichen Ertrages an den Grundherren als Pacht ab. Aus diesem Grund wurde der Pächter eines Fronhofs auch Halbwinner, Halfe, Halbmann oder Halberling genannt, in der Mehrzahl Halfleute. Als im Laufe der Zeit die Pacht nicht mehr ertragsabhängig halbiert wurde, sondern Grundherr und Pächter sich auf eine fixe Pachtsumme einigten, blieb der Name Halfe gleichwohl erhalten.

Die im Rheinland übliche Pachtdauer betrug im 14. Jahrhundert drei oder sechs Jahre und pendelte sich im 16. und 17. Jahrhundert auf zwölf Jahre ein. Nach Ablauf einer Pachtperiode wurde, sofern der Grundherr mit der Hofführung seines Pächters zufrieden und letzterer seinen Verpflichtungen und Zahlungen immer zuverlässig nachgekommen war, der Vertrag um jeweils weitere zwölf Jahre verlängert. In vielen Fällen blieb das Pachtgut für Generationen in den Händen der gleichen Pächterfamilie.

Die Halbwinnerschaft brachte nicht nur dem Grundherrn sondern auch dem Pächter große ökonomische Vorteile: Da die Halbwinner vom gepachteten Gut kein Stück veräußern durften und die Güter nach dem Tod eines Pächters nicht der Realteilung unterlagen (in der Regel ging der Pachtvertrag auf den ältesten Sohn oder einen Schwiegersohn über), blieben ihre Anbauflächen stets gleich oder wurden durch Zukauf noch größer. Damit waren die Halfen den Bauern mit Eigenbesitz überlegen, denn diese hatten bei jedem Erbfall mit dem Problem der Verkleinerung der Hofstellen zu kämpfen. So entwickelte sich im Rheinland und in anderen nordwestlichen Regionen bereits vor dem Beginn der Frühen Neuzeit mit dem Pächterstand eine neue, ländliche Oberschicht, die persönlich völlig frei und wirtschaftlich äußerst wohlhabend war.

Challenges_flower

* Buch-Bingo: Empfehlung
* Challenge der Gegenteile: Ein helles Cover
* Buchstaben-Salat: Windows/Enten (17 Punkte)

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3 Antworten zu Wind von Westen

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